Wieder einmal kursieren Meldungen über eine bevorstehende Insolvenz bei Honsel. Wie die »Financial Times Deutschland« heute berichtet, haben Eigentümer und Gläubiger am Wochenende an einem Schuldenmoratorium gearbeitet. Damit solle die Insolvenz des Unternehmens mit rund 5000 Beschäftigten und einem Umsatz von knapp 900 Millionen Euro verhindert werden.
Dass Honsel vor der Insolvenz stehe, sei falsch, sagt Unternehmenssprecherin Maria Lahaye-Geusen. Dass die Finanzlage schwierig sei und Verhandlungen mit Anteilseignern, Geldgebern und Zulieferern laufen, bestätigt sie aber. Diese Gespräche stünden kurz vor dem Abschluss, über konkrete Zahlen könne sie daher nicht sprechen.
Laut Financial Times Deutschland braucht Honsel ein Darlehen von 40 bis 50 Millionen Euro, um bis März durchhalten zu können. Das Geld solle etwa zur Hälfte vom Eigentümer und zwei Kunden kommen.
1995 ging die Honsel AG an die Börse, vier Jahre später gab die Familie Honsel die Mehrheitsanteile an den Finanzinvestor Carlyle ab, der die Firma wieder in eine Kommanditgesellschaft umwandelte. 2001 wurden Honsel und die kanadische Amcan Consolidated Technologies Corp. (ACT) unter dem Dach der Honsel International Technologies S.A.S. (HIT) zusammengeschlossen.
2004 verkaufte Carlyle Honsel für 625 Millionen Euro. Der neue und jetzige Mehrheitseigentümer ist mit 82 Prozent der an der Brüsseler Börse notierte Finanzinvestor Ripplewood Holdings (RHJ International). Wie bereits Carlyle hat auch Ripplewood versucht, den Kaufpreis vom Gekauften finanzieren zu lassen: Rund 400 Millionen Euro Schulden hat der Finanzinvestor dem Automobilzulieferer laut einem Bericht des »Manager Magazin« im Jahr 2006 aufgebürdet.
In diesem Jahr steht Honsel mit einem Netto-Umsatz von 878 Millionen Euro im Geschäftsbericht von RHJ, die Schulden werden mit 468 Millionen Euro beziffert, der Jahresfehlbetrag mit 40 Millionen Euro.
Von den rund 5000 Mitarbeitern, die Honsel in Europa und Lateinamerika beschäftigt, arbeiten allein 2200 in Meschede. Hinzu kommen viele Zulieferer und Handwerksbetriebe, deren Existenz direkt mit dem Wohlergehen des Mescheder Honsel-Werks abhängt.
Meschedes Bürgermeister Uli Hess vertraut trotz der vorweihnachtlichen Hiobsbotschaft auf den technologischen Vorsprung von Honsel: »Es gibt nur ganz wenige Gießereien, die das Know-How besitzen, das die Automobilindustrie für Motoren und Getriebe braucht«, so Hess. »Auch wenn wir jetzt eine Automobilkrise haben, werden Motoren gewiss auch weiterhin gebraucht.« Der Bürgermeister wünscht sich aber »eine großzügigere Kommunikation seitens des Unternehmens.«
Das wünscht sich Wolfgang Werth, erster Bevollmächtigter der IG Metall in Arnberg, auch. »Die Mitarbeiter fordern schon lange eine klare Auskunft über die Zukunft der Firma.« Nach Werths Ansicht hat sich Investor Ripplewood mit Honsel »verzockt«, das Private-Equity-Geschäftsmodell funktioniere nicht. Belegschaft und Gewerkschaft fordern schon lange, Honsel durch Rückkauf der Kredite zu entschulden.
Seit Mitte Dezember haben die Honsel-Mitarbeiter Zwangsferien. Am zweiten Januar soll es bis voraussichtlich März mit Kurzarbeit weiter gehen. Durch eine im Sommer vergangenen Jahres geschlossen Betriebsvereinbarung sind die Arbeitsplätze bei Honsel bis zum 31. Dezember 2009 gesichert.
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