Yachtbau Dehler: Belegschaft stellt Insolvenzantrag

Freienohl. Die Belegschaft der Yachtbau-Firma Dehler hat mit Unterstützung der IG Metall die Eröffnung des Insolvenzverfahrens beim Amtsgericht Arnsberg beantragt.

Dass eine Belegschaft Insolvenzantrag stellt und nicht die Geschäftsführung, hat Gewerkschaftssekretär Fritz Kramer von der IG Metall in Arnsberg noch nicht erlebt. »Wenn es Gründe für einen Verkauf wertvoller Güter gäbe, hätte der Geschäftsführer ja mit dem Betriebsrat reden können«, sagt Kramer. »Er hat es aber vorgezogen, hinter dem Rücken der Belegschaft zu handeln.«

Nach einer Betriebsversammlung am Mittwoch vergangener Woche hatte die Belegschaft bereits beschlossen Insolvenzantrag zu stellen, weil Geschäftsführer Wilan van den Berg vorhatte, den Markennamen »Dehler« zu verkaufen. Als van den Berg daraufhin dieses Vorhaben aufgab, sah auch der Betriebsrat vom Gang zum Amtsgericht ab.

Am Montag wurde dann in der Firma bekannt, dass die Banken, über die die Bürgschaft hätte laufen sollen, das Projekt abgesagt haben. Außerdem soll Geschäftsführer van den Berg vorgehabt haben, Baupläne und Bootsmodelle zu verkaufen und die Firma so um wertvolles Eigentum zu bringen. Daraufhin stellte die Belegschaft am Montagabend ihren Insolvenzantrag – ohne den Geschäftsführer zu informieren.

Seit Mitte Oktober hat die Firma Dehler laut IG Metall keine Gehälter mehr gezahlt, Geld für den Materialeinkauf war nicht mehr vorhanden, »Am Freitag haben wir die letzte Dehler 44 ausgeliefert, aber eigentlich stand die Produktion schon seit Wochen still«, sagt Stefan Odoj, Vorsitzender des Betriebsrates bei Dehler.

Der Bau großer Segelyachten erfordert viel Kapital zur Finanzierung der Produktion. Das war schon lange knapp. Im Herbst mussten die Angestellten Urlaub nehmen und Überstunden abbauen. Ende Oktober teilte Geschäftsführer Wilan van den Berg dann mit, dass der Fortbestand der Firma bis 2010 dank einer Landesbürgschaft gesichert sei.

Eine Unternehmensprüfungsgesellschaft hatte ein positives Gutachten geschrieben, das Land wollte die Bürgschaft von rund vier Millionen Euro geben, sagen Kramer und Odoj. Aber das Unternehmen erfüllte die Auflagen nicht. Ein zweiter Geschäftsführer sollte eingesetzt werden und ein Gesellschafter hätte vorerst auf eine Forderung von rund 300 000 Euro verzichten müssen. Ein neuer Geschäftsführer wurde der Belegschaft und den Banken am vergangenen Mittwoch präsentiert. »Warum man dann anschließend nicht zum Notar gegangen ist, weiß ich nicht«, sagt Odoj.

Die Schuld an der Geldnot gibt er dem Geschäftsführer Wilan van den Berg. Der habe grobe Managementfehler gemacht und alle Warnungen ignoriert. Die Firma sei in den vergangenen zwei bis drei Jahren viel zu schnell gewachsen, meint Odoj. Van den Berg sei sehr gut, wenn es um Marketing gehe. Im kaufmännischen Bereich sei das aber ganz anders. »Allein das neue Modell ›Dehler 60′ hat uns hunderttausende gekostet.«

»Die Auftragsbücher sind gut gefüllt«, sagt Odoj. Was fehlt, seien die Kredite für de Produktion. Die vorherrschende Finanzkrise, so Odoj, mache der ganzen Branche zu schaffen. Möglicherweise ist das der Grund für die Buchanan Group, ihre Beteiligung nicht auszuweiten. Offiziell wollte man dazu gestern keine Stellungnahmen abgeben. Die Belegschaft hofft nun darauf, dass der vorläufige Insolvenzverwalter Axel Kampmann, die Finanzen bei Dehler wieder ins Lot, die Produktion ans Laufen bringt und die 180 Arbeitsplätze rettet.

Die Yachtbaufirma Dehler wurde 1963 von den Brüdern Heinz und Willi Dehler gegründet. Die niederländische Neptunus-Gruppe kaufte das Unternehmen 1998 aus der Insolvenz. Die Produktpalette wurde strategisch neu ausgerichtet. Das populäre Segelboot »Varianta« wurde eingestellt, die Boote wurden größer. Seit 2004 leitet der Marketing-Fachmann und passionierte Segler van den Berg das Unternehmen allein. Für eine Stellungnahme war er gestern nicht zu erreichen.

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