
Briefträger Ulrich Henneman inmitten der Bestien
Bestwig. Zu einer besonderen Übungsstunde hatten am Samstag die »Bestwiger Schnauzen« eingeladen. »Übungsstunde mit Briefträger« stand auf dem Programm und Ulrich Hennemann ist ab jetzt der Postzusteller, der mit den Tölen tobt.
»Ich fühle mich wie ein Kotelett vor der Hundehütte«, sagt Hennemann angesichts des halben Dutzends aufgekratzter Hunde, die jeden Fremden auf der Tobewiese ihres Vereins mit lautstarkem Gebell begrüßen. Post hat der Briefträger nicht mitgebracht; keine Zustellurkunden, keine Vorladungen, keine Mahnung, nichts wofür es sich zu beißen lohnte. Nur die Postuniform hat er angezogen. Die ist strapazierfähig und das ist gut so.
Drei Mal schon wurde Hennemann gebissen. »Der letzte hat mir so ein bisschen das Fußgelenk zerfleddert«, erzählt er. Unangenehm sei das auch heute noch, vor allem wenn das Wetter umschlage.
Trotzdem macht er auf dem Trainingsplatz einen einigermaßen entspannten Eindruck als Golden Retriever Benji versucht, ihn abzuschlecken. »Wenn ich Briefe zustelle bin ich den Hunden gegenüber vorsichtiger. Dann sehe ich immer zu, dass ich ihnen aus dem Weg gehe.«
Er hat keinen festen Zustellbezirk, sondern arbeitet als Springer. Die meisten Hunde sehen ihn nur einmal pro Woche. »Die Hunde sehen uns nur einmal am Tag und können uns nicht richtig einordnen. Sie verteidigen nur ihr Revier«, weiß er. Bei manchen Hunden, wie einem preisgekrönten Schäferhund in Heringhausen, kann dieses Verhalten beängstigende Ausmaße annehmen. Dann bleibt der Postbote im Auto sitzen, hupt, und der Besitzer muss sich seine Post abholen.
Christine Föcking kennt das auch. Sie züchtet Australian Shepherds und muss jedes Päckchen bei der Post abholen. »Der Paketbote ist sehr vorsichtig.«
Problemhunde merkt man sich bei der Post. Dafür gibt es die so genannten »Hundemerkkarten«. Schließlich soll kein Zusteller in ein offenes Maul rennen. Es gibt auch Pfefferspray, aber, so Hennemann, das nützt nicht viel. »Dann ist der Hund beim nächsten Mal nur um so aggressiver.«
Und wer nun glaubt, Katzen seien eine weit überlegene Spezies, der kennt den Kater in Wasserfall nicht. »Das ist ein Riesenbolz«, sagt Hennemann. »Der hat Kollegen auch schon in die Wade gebissen.«
Wenn der Briefträger vor Schmerzen schreit, ist das mehr als ein medizinisches Problem, weiß Schnauzen-Chefin Susanne Wagner. »Meistens gibt es ein Anzeige beim Ordnungsamt, dann folgt ein Wesenstest und die Heilkosten muss der Hundehalter oft auch noch übernehmen.« Denn ob die Haftpflichtversicherung auch für zerfleischte Waden aufkommt ist nicht immer sicher.
Blut ist am Samstag auf dem Trainingsplatz der Bestwiger Schnauzen nicht geflossen. Ein paar Begegnungsübungen, Begrüßungen, ein bisschen mit dem Mann in der gelben Jacke toben – alles sehr nett. Genau so sollte es auch am Gartenzaun laufen.
»Es liegt an den Besitzern«, sagt Wagner. »Sie sollten den Hund nicht alleine in den Garten entlassen.« Die Begrüßung von Fremden sollte man nicht seinem Hund überlassen. »Man sollte den Hund hinter sich Sitz machen lassen, damit der lernt, dass es nicht seine Aufgabe ist, Fremde zu begrüßen oder die Post abzuholen.«
Am Ende der Trainingsstunde hat sich Ulrich Hennemann ordentlich beschnuppern lassen, auf seiner Jacke ist Hundesabber. Dass er am Montag einen bellenden Hund nahe an sich herankommen lässt, ist trotzdem nicht wahrscheinlich.

Jetzt ist aber gut
Schlagworte: Bestwig, Briefträger, Hunde, Tiere, Vereine













