Allein gegen alle

Meschede. »Ich habe die Hand gehoben und ›Heil Hitler‹ gerufen, weil ich mich ganz alleine mit 50 Leuten anlegen wollte.« Das Geständnis war reiner Fatalismus. Der Angeklagte sah für sich wohl keine Chance mehr. Die anderen auch nicht.

Zweimal schon hat wurde er vom Mescheder Amtsgericht allein schon in diesem Jahr verurteilt. Das Strafregister des 37-Jährigen hat 19 Eintragungen. Nach Aussage seines Bewährungshelfers ist er alkoholkrank und hat auch noch ein Drogenproblem. Eine Bewährungsstrafe ist da nicht mehr möglich, ganz gleich, was passiert.

Gestern stand der Mann wieder wegen mehrerer Anklagen vor Gericht. Ein Flasche Vodka soll er gestohlen haben. Das hat er schon öfter getan und er hatte keinerlei Schwierigkeiten, die Tat einzugestehen.

Schmerzhafter war für den Angeklagten das Zusammentreffen mit einer Rotte junger Leute, die sich am 26. April zu einer Antifa-Demonstration am Mescheder Bahnhof versammelt hatten. Als er dort ankam und aus dem Zug stieg soll er die Hand zum Hitlergruß erhoben und »Heil Hitler« gerufen haben. So hatten es jedenfalls die Demonstranten wahrgenommen und die Tat sofort mit Schlägen geahndet.

Er habe nur Kumpels begrüßen wollen, die dort auf ihn und seinen Freund warteten, sagte der Angeklagte zunächst vor Gericht. Einer seiner Freunde bestätigte diese Aussage, aber nicht sehr glaubwürdig. An die Namen der Freunde, die dort gewartet haben sollen, konnte er sich nicht erinnern.

Besser erinnern konnte sich der 19-jährige »Stellvertretende Versammlungsleiter« der Demonstration. Er habe den Angeklagten nach seinem Hitlergruß gebeten, »sich zu verpissen«. Der habe ihn daraufhin gestoßen. Ein Bahnangestellter sei dazwischen gegangen und habe die Polizei gerufen.

Bei den Beamten hatte der Angeklagte keine Anzeige wegen der Faustschläge erstatten wollen, die er inzwischen abbekommen hatte. »Es hätte ja sowieso nichts genützt«, sagte er.

Ein weiterer Verhandlungstermin mit einem weiteren Zeugen wäre möglich gewesen, eine um drei Monate höhere Strafe auch. Nach kurzer Beratung mit seinem Verteidiger entschied sich der 37-Jährige für das Geständnis und sieben Monate Haft.

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