Nur wenige Pilze in diesem Jahr

Echter oder falscher Pfifferling: Pilzexperte Gerhard Wölfel sieht es sofort

Echter oder falscher Pfifferling: Pilzexperte Gerhard Wölfel sieht es sofort

Enste. Das Wetter war warm und feucht. Entsprechend groß waren die Körbe, die die Sammler am Samstag zur Pilzführung von Gerhard Wölfel nach mitbrachten. Aber für eine schnelle Pilzmahlzeit reicht es zur Zeit im Hochsauerland nicht.

Fotografische Notizen
Fotografische Notizen: Pilzbücher sagen nicht alles

Fotografische Notizen: Pilzbücher sagen nicht alles

Die Pilze, jedenfalls die Sorten, die man essen kann, machen sich etwas rar in diesem Jahr. Pilzfachmann Gerhard Wölfel weiß auch, woran es liegt: Der Orkan Kyrill hat viele Lichtungen geschaffen. Wo die Sonne ständig auf den Boden scheint, fühlen Pilze sich nicht wohl.

Die Auswahl an Röhrlingen, Wulstlingen, Bovisten und anderen Waldfrüchten, die Wölfel für die interessierten Sammler an diesem Morgen noch schnell zusammen gesucht hat, ist dennoch beeindruckend; schon allein wegen der Risiken und Nebenwirkungen, vor denen er warnen kann.

Der Netzstielige Hexenröhrling, zum Beispiel, ist hinterlistig. Ein Speisepilz ist er eigentlich nur für Abstinenzler. Ein bisschen Alkohol 24 Stunden vor oder nach der Mahlzeit aktiviert das Gift.

Klebriger Hörnling
Leuchtend gelb ist der Klebrige Hörnling, der aussieht, wie eine Koralle. Giftig ist er nicht, aber zäh wie Kaugummi.

Leuchtend gelb ist der Klebrige Hörnling, der aussieht, wie eine Koralle. Giftig ist er nicht, aber zäh wie Kaugummi.

Von dem beliebten Hallimasch sollte man auch erst einmal nur eine kleine Menge probieren. Schließlich könnte man selbst zu jenen zehn Prozent der mitteleuropäischen Bevölkerung gehören, die davon Durchfall bekommt.

Eine Teilnehmerin hat ein Pilzbuch dabei und schaut schnell nach als sie von Wölfel lernt, dass der Kahle Krempling in alten Büchern noch als essbar aufgeführt wird. Essbar ist er wohl, aber nicht oft. Sein Gift zerfällt nicht beim Kochen. Es reichert sich im Körper an und wenn die richtige Dosis erreicht ist, verklumpen die roten Blutkörperchen. Das ist kein schöner Tod.

Pilzbestimmungsbücher sind ohnehin so eine Sache. »Welches Pilzbuch würden Sie empfehlen«, möchte ein Teilnehmer wissen. »Wenn Sie mich so fragen, gar keins«, ist die Antwort des Experten. Von den rund 5 500 Pilzarten, die in Deutschland ans Tageslicht kommen, listen die Bücher für Pilzsammler nur so um die hundert auf. Das kann eine Hilfe sein, muss es bei den vielen Doppelgängern unserer Speisepilze aber nicht. Wer sich für Pilze auch über den Tellerrand hinaus interessiert, kommt da zu kurz.

Die Ernte einer halben Stunde
Die Ernte einer halben Stunde

Die Ernte einer halben Stunde: Für eine Mahlzeit reicht es nicht

Der Elektroingenieur Wölfel beschäftigt sich seit 30 Jahren mit dem Thema. Als Pilzreferent der Deutschen Gesellschaft für Mykologie bildet er Pilzsachverständige aus. Seine Bestimmungsbücher haben noch nicht einmal Bilder. Die würden auch nichts nützen, denn wirklich zuverlässig erkennt man die meisten Charakteristika ohnehin nur unter dem Mikroskop.

Die Sammler in Enste brauchen das nicht, Wölfel ist ja dabei. »Die meisten Vergiftungen«, sagt Wölfel, »beruhen nicht auf Unwissen, sondern auf Halbwissen.« Im Zweifel lässt man einen Pilz einfach stehen. Nur heute nicht. Und so schwärmt die Gruppe nach einstündigem Vortrag aus, um alles zu sammeln, was da gerade im Fichtenwald gedeiht.

Nach einer halben Stunde ist einiges zusammen gekommen. Einiges sieht sogar appetitlich aus. Der Spitzhütige Knollenblätterpilz ist gleich mehrfach vertreten. Wer das unwahrscheinliche Glück hat, ihn mit Hilfe der modernen Medizin zu überleben, behält dauerhafte Schäden zurück. Pfifferlinge und Hexenröhrlinge (beide essbar) sind auch dabei, aber für eine Mahlzeit reicht es nicht.

Wölfel erkennt jeden einzelnen Pilz auf den ersten Blick, ganz gleich, wie jung, alt oder angeknabbert er ist. Würde es der Pilzexperte schaffen, sich hier schnell eine Mahlzeit zusammen zu suchen? »Ja, das ginge schon«, sagt Wölfel, »aber ich mache mir nichts aus Pilzen.«

Gerhard Wölfel zeigt den Spitzhütigen Knollenblätterpilz. Der ähnelt auf den ersten Blick einem Champignon, aber er schmeckt und wirkt ganz anders

Gerhard Wölfel zeigt den Spitzhütigen Knollenblätterpilz. Der ähnelt auf den ersten Blick einem Champignon, aber er schmeckt und wirkt ganz anders

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