»Zeit, dass sich was dreht«

Zeit, dass sich was dreht: Podiumsdiskussion in Bestwig

Podiumsdiskussion in Bestwig

Bestwig. »Ein Fünftklässler hat mir vergangene Woche gesagt, seine Religion verbiete ihm den Umgang mit Andersgläubigen«, berichtete Ahmet Arslan. »Ich habe gedacht: Gut, dass ich da bin.«

»Nicht die Religion hat Abschottungscharakter, sondern die Tradition, die den Kindern als Religion präsentiert wird.«

Ahmet Arslan: »Nicht die Religion hat Abschottungscharakter, sondern die Tradition, die den Kindern als Religion präsentiert wird.«

Islamkundelehrer Arslan war einer der sechs Teilnehmer der Podiumsdiskussion, zu der Lutz Hesse von der Jungen Union Bestwig am Mittwochabend in den großen Bürgersaal des Rathauses geladen hatte.

Um die Integration der Einwanderer könnte es besser stehen, meinte Hesse und gab der Veranstaltung den Titel »Zeit, dass sich was dreht«.

Höchste Zeit, dass die Imame anfangen, deutsch zu lernen, befand Arslan. Er weiß, wie es um die Kenntnisse seiner muslimischen Schüler in ihrer Muttersprache steht. Die Predigt in türkischer Sprache, so Arslan, wird von der dritten und vierten Einwanderergeneration gar nicht mehr verstanden. Sein Vorschlag: Im Rahmen eines großen Projektes könnte man die Imame einladen und die Predigten für sie übersetzen.

Eine Idee, für die sich der Europaabgeordnete Peter Liese sofort erwärmen konnte. Ihm sei ein Moslem, der seinen Glauben lebt, lieber als jemand, dem alles egal ist. »Ein aufgeklärtes Christentum und ein aufgeklärter Islam zusammen, sind besser als eine Gesellschaft ohne Werte«, so Liese.

Dass die Kinder türkischer Einwanderer zunehmend eine eigene Gesellschaft mit eigenen Werten bilden, weiß auch Cem Yükseler vom Deutsch-Türkischen Forum der NRW-CDU. »Einwanderer«, so Yükseler, »sind weder in Deutschland noch in der Türkei vollwertige Mitglieder der Gesellschaft.« Seine Vermutung: Auf der Suche nach Respekt und Identität wenden sich viele zurück.

Dass der Weg vorwärts in die Integration aus vielen kleinen Schritten besteht, konnten auch Lehrer Frank Abels, Vorsitzender des Kinder und Jugend-Netzwerkes, Ingrid Klagges, Leiterin des Christkönig-Kindergartens, und Rascal Hüppe, Chef des Freizeitparks Fort Fun berichten. Alle drei haben mit Sprachproblemen zu kämpfen. Alle drei müssen tagtäglich dafür sorgen, dass das Zusammenleben und –arbeiten funktioniert. Ihr Rezept: praktische Hilfe, aufeinander zugehen und gegenseitiger Respekt.

Engagierte Zuhörer im Bestwiger Rathaus

Engagierte Zuhörer im Bestwiger Rathaus

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