»Ich schaffe es jetzt selbst«

Stotterer Selbsthilfe Meschede

Stotterer Selbsthilfe Meschede feierte ihr 20. Jubiläum

Föckinghausen. »Wenn man als Stotterer Zeit zum Ausreden hat, fühlt man sich gleich sicherer«, sagt Horst Köster. Vor zwanzig Jahren gründete er die Stotterer-Selbsthilfe in Meschede.

Einmal im Monat treffen sich die zur Zeit sieben aktiven Mitglieder der einzigen Selbsthilfe für Stotterer im Hochsauerlandkreis, um an ihrem Sprechproblem zu arbeiten. »Wir haben ein großes Repertoire an Sprechspielen«, sagt Susanne Struck, die die Gruppe seit 12 Jahren leitet.

Sprechspiele – das ist für die meisten von ihnen die Zeit nach der Therapie. Tim hat elf oder zwölf Therapien hinter sich, so genau weiß er es nicht mehr. Er stottert seit er sieben Jahre alt ist. Die Schule war die Hölle, eine Schule für Sprachbehinderte in Olpe, ein Sprachheilzentrum in Gießen – sein Stottern blieb. Einen Schulabschluss holte er an der Volkshochschule nach. Ein Lehrvertrag wurde wieder aufgelöst wegen seiner »sprachlichen Defizite«.

Irgendwann war er mit seinen Kräften am Ende und brach zusammen, es folgten Psychiatrie und Psychosomatik. Auch das hat er jetzt mit Ende Zwanzig hinter sich. »Ich bin übertherapiert«, sagt er. Er stottert immer noch, braucht Zeit, um zu sagen, was er sagen will. Aber mit den Therapien hat er aufgehört. »Ich schaffe es jetzt selbst.«

Horst Köster gründete vor 20 Jahren die Stotterer Selbsthilfegruppe in Meschede

Horst Köster gründete vor 20 Jahren die Stotterer Selbsthilfegruppe in Meschede

Selbst weiterarbeiten musste auch Horst Köster, als er die Selbsthilfegruppe vor zwanzig Jahren ins Leben rief. »Ich hatte 13 Wochen Sprachtherapie in Frankfurt hinter mir und sollte nun regelmäßig üben, um meine Fortschritte zu halten und auszubauen.« Damit er das nicht allein machen musste, suchte er nach Leidensgenossen und fand sie. Acht Jahre lang leitete er die Gruppe, von seinem Stottern ist heute nichts mehr zu merken.

Aber es hat lange gedauert. »Es kamen immer mal wieder Leute, die an eine Wunderheilung glauben«, sagt Susanne Struck. »Aber zwei Besuche bei einer Selbsthilfegruppe reichen nicht.« Sie selbst sei jetzt so weit, dass sie ihr Stottern akzeptiere. »Ich kann damit umgehen und kenne die Situationen in denen ich stottere.«

Verena würde gerne noch eine Therapie machen. Auch sie stottert, seit sie ein Kind war, auch für sie wurde in der Schule gehänselt. Im Kindergarten war das anders. Dort arbeitete sie nach ihrer Ausbildung. »Bei Kindern stottere ich nicht«, stottert sie. Wegen dieser Eigenheit, meint sie, ein Sprachtherapeut, der mit Hypnose arbeitet, könnte ich vielleicht weiterhelfen. Aber ihre Krankenkasse bezahlt das nicht.

Broschüre

»Wenn Kinder stottern – Tipps zur Therapeutensuche« in verständlicher Form näher erläutert. Sie kann bestellt werden bei der Bundesvereinigung Stotterer-Selbsthilfe, Zülpicher Straße 58, 50674 Köln, Telefon 0221/139 1106, info@bvss.de, sowie beim Deutschen Bundesverband für Logopädie, Augustinusstraße 11a, 50226 Frechen, Telefon 02234/37 95 927, info@dbl-ev.de

Zur Zeit macht Verena gar nichts gegen ihr Stottern. Seit sie umgezogen ist, gehört sie zu den Ehemaligen der Selbsthilfegruppe, die sich am Samstag zur Feier ihres 20. Jubiläums in Föckinghausen trafen. Beim gemeinsamen Blättern im »Familienalbum« wurden viele Erinnerungen wach. Zeit auszureden, gab es reichlich.

Weitere Informationen:
Stotterer-Selbsthilfe Meschede: Susanne Struck, Vereinsstraße 5, Bestwig, Tel.: 02904-2376.

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