
Bestwig. Unterbodenwäsche gibt es nicht, Heißwachs auch nicht. Dafür ist die Fahrzeugwäsche an der Zugwaschanlage für den Fahrer kostenlos und die Intensivreinigung des Blechs wird von Hand erledigt.
Seit einem Jahr läuft die Zugwaschanlage nun, nachdem sie lange Zeit ungenutzt herum stand. Warum das so war kann sich Knut Germann von der Bahn aus Köln auch nicht erklären. Wahrscheinlich passte die Viertelstunde für den Waschgang nicht in die Fahrpläne.
Rund 1300 Mal hat die einzige Zugwaschanlage im Sauerland in den vergangenen zwölf Monaten nun für ein sauberes Erscheinungsbild der Regionalzüge gesorgt. Die Beschwerden der Fahrgäste über schmutzige Züge seien seitdem annähernd auf Null zurückgegangen. Damit das so bleibt, muss ein Zug etwa alle sechs Tage einmal zwischen die Bürsten.
Das sind zwei hohe rotierende Bürsten zwischen denen der Zug langsam hindurch rollt: Die Technik der Zugwaschanlage ist überschaubar. Damit Staub und kürzlich verstorbene Insekten wirklich gründlich entfernt werden, schrubben Aouadi Rached aus Bestwig und Lamiri Lahbib aus Hagen jeden Quadratzentimeter mit Schwämmen ab. Für Vorwäsche und Einschäumen geht es bergab in Richtung Meschede und dann wieder bergauf in Richtung Winterberg für den Klarspülgang. Abgetrocknet wird nicht. »Das erledigt der Fahrtwind«, sagt Lokführer Rainer Niewerth, der den Zug während der Wäsche vor und zurück bewegen muss.
Alles öko
Gewaschen werden die Züge ausschließlich mit Neutralreiniger.
Zwei über 80 Meter lange Auffangrinnen sorgen dafür, dass weder Schmutzwasser noch Öl in den Boden gelangen.
Weil die Waschanlage in der Mitte des Sauerland-Netzes steht, fallen keine zusätzlichen Leer- und Überführungsfahrten zu den anderen Waschanlagen in Dortmund, Essen oder Münster an.
In der Regel werden von Montag bis Freitag täglich rund zehn Züge in Bestwig gereinigt.
Nach einer Viertelstunde ist der Zug blitzblank. Fast jedenfalls. Über die ganze Länge des Zuges ziehen sich tiefe Kratzer im Lack. In ihnen hat sich der Schmutz dauerhaft eingerichtet. Ein Teil der Kratzer stammt von Büschen am Gleisrand. Die meisten Kratzer stammen aber von den Bemühungen, Graffiti zu entfernen. Thomas Wensing, Teamleiter der »Fahrzeugbehandlungsplanung«, kennt das Problem. »Wir sind in einem ständigen Wettlauf mit den Sprühern«, sagt er. Aber vielleicht gibt es auch hier bald Abhilfe: »Wir testen zur Zeit eine neue Beschichtung, die sich den Lotus-Effekt zu nutze macht.« Wenn das Funktioniert lassen sich die unerwünschten Verzierungen bald mit einem einfachen Schwamm abwaschen.
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