
Wasserfall. Er war 14 Jahre alt als er eine kaufmännische Lehre im Rentamt des Baron von Wendt begann. Aus der Forstverwaltung wurde ein kleiner Freizeitpark und dann ein großer. Reinhold Bültmann blieb. Heute feiert er sein 50-jähriges Firmenjubiläum in Fort Fun.
Rechnungen für Holzverkäufe, Löhne für die 25 Waldarbeiter, sieben Förster und zehn landwirtschaftliche Mitarbeiter – darum kümmerte er sich als hier noch um Forstwirtschaft ging. Damals, 1958, war sein Büro noch im Schloss Gevelinghausen. Die Geschäfte des Rentamts wurden von einem Testamentsvollstrecker geführt.
1962 übernahm der Baron selbst die Geschäfte. »Er war sieben Jahre älter als ich und hatte genau die gleiche Ausbildung in einem Steuerberaterbüro in Soest gemacht«, erinnert sich Bültmann. Der junge Baron wollte nicht mehr von Land- und Forstwirtschaft leben. Er investierte in den Fremdenverkehr. Das war der Beginn von Fort Fun.
Mit einem Ankerlift und einer Skihütte fing es 1967 in Wasserfall an. Drei Jahre später kam der Sessellift mit den beiden Rutschbahnen hinzu. »Die Rutschbahnen waren damals das Highlight. Es waren die ersten in ganz Deutschland«, sagt Bültmann in seiner sachlichen Art. Das Schlosshotel in Gevelinghausen kam hinzu und die Planwagen, mit denen die Touristen bis zu 14-tägige Touren unternahmen. »Ich weiß noch, das ich mit dem Baron durch das ganze Sauerland gefahren bin, um Höfe zu suchen, wo die dann abends stehen konnten.«
»Fort Fun City« kam 1972. »Das war seinerzeit die bekannteste Diskothek hier im Sauerland.« Die Westernstadt kam 1976 und mit ihr auch der ersten Eintrittskartenverkauf für die gesamte Anlage. Aus Amerika wurde 1981 die Eisenbahn importiert; sie fährt heute noch. Immer mehr Fahrgeschäfte kamen hinzu und die Gäste blieben länger. »Anfangs kamen die Leute nur für zwei oder drei Stunden, heute bleiben sie den ganzen Tag«, sagt Bültmann.
Wenn das Wetter gut ist, reicht auch der ganze Tag nicht aus. Wenn Bültmann am späten Nachmittag seine Runde durch den Park macht, achtet er auf die Besucherschlangen vor den Fahrgeschäften. Sind sie lang, muss er den Park eben noch eine halbe Stunde länger geöffnet halten. Bültmann kennt alle Mitarbeiter, die dann länger arbeiten müssen persönlich. Er hat sie eingestellt, er achtet darauf, dass jeder an seinem Platz ist und dass alles reibungslos läuft.
Ständiges Wachstum und zwei Besitzerwechsel hat Bültmann mitgemacht. Seine fünfzig Jahre in Wasserfall waren voller Veränderungen. Zehn Jahre lang war es ein Forstbetrieb, dann ein Freizeitpark mit Campingplatz. »So war es immer wieder etwas Neues.« Genau so, meint Bültmann, war es ja auch mit den Mitarbeitern: immer mischten sich die alten Kollegen mit neuen Gesichtern.
»Früher saß man mit dem Eigentümer Tür an Tür und sah sich die Zahlen gemeinsam an«, sagt er, »heute müssen die Ergebnisse jeden Tag nach Frankreich geschickt werden. Aber mit der heutigen Technik ist das ja auch kein Problem.« Dass die Zahlen irgendwann einmal nicht stimmen könnten, sorgt ihn nicht: »Wir haben hier immer schwarze Zahlen geschrieben.« Sollte das wider Erwarten einmal ändern, wird Bültmann nicht mehr hier sein. Ende diesen Jahres geht er in den Ruhestand.
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