Milchpreis: 1000 Bauern und ein Minister

Rund 1000 Milchbauern aus ganz NRW trafen sich in der Schützenhalle

Reiste. Aus dem ganzen Land waren sie angereist: Rund 1 000 Bauern trafen sich am Mittwochabend in Reiste zum großen Milchbauernabend des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter (BDM) in Südwestfalen.

»Mit dem Milchstreik haben wir erreicht, dass der Milchpreis wenigstens nicht weiter gesunken ist«, sagt Michael Erves vom Südwestfalen-Team des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter (BDM). »Jetzt haben wir einen durchschnittlichen Preis von 33 Cent pro Liter, ohne Streik wären es wohl 26 Cent.«

Um eine sachliche Diskussion bat Erves zu Beginn der Versammlung in der Reister Schützenhalle. »Das habe ich dem Minister versprochen.« Sachlich blieb es, ganz einig wurde man sich mit NRW-Landwirtschaftsminister Eckhard Uhlenberg aber nicht.

NRW-Landwirtschaftsminister Eckhard Uhlenberg
NRW-Landwirtschaftsminister Eckhard Uhlenberg will Angebot und Preis dem Markt überlassen

»Lebensmittel dürfen nicht zur Ramschware werden«, sagte der Minister. Er habe Verständnis für die Forderungen der Milchbauern und wolle sich für gute Rahmenbedingungen und faire Preise einsetzen. Aber wie?

Größtes Streitthema ist die Milchquote. Die EU-Kommission will sie 2015 abschaffen. Für den stellvertretenden Direktor der Generaldirektion Landwirtschaft der EU-Kommission, Lars Hoelgaard, dessen Argumente sich die Teilnehmer in einem kurzen Film ansahen, gibt es nur eine Antwort auf fallende Preise: eine höhere Produktivität.

Die Forderungen des BDM

1. Ein Grundpreis von 43 Cent pro Kilogramm Milch soll durch Marktsteuerung erzielt werden.
2. Erhöhung des Umrechnungsfaktors von Kilogramm auf Liter: Wird der Faktor von 1,02 auf 1,03 erhöht, verringert sich das Milchangebot um bis zu ein Prozent.
3. Milchquoten: Einzelbetriebe müssen ihre Milchquote einhalten, wer mehr liefert, soll damit nicht mehr auf einen zusätzlichen Gewinn spekulieren können.
4. Molkerei-Umlage: Für jedes Kilogramm Milch sollen die Molkereien eine Umlage erheben, um damit marktentlastende Maßnahmen finanzieren zu können.
5. Quotenerhöhung aussetzen: Die EU-Kommission hat die Milchquote in diesem Frühjahr um zwei Prozente erhöht. Die Bundesregierung soll die zusätzliche Milch in die nationale Reserve übernehmen und so dem Markt entziehen.
6. Flexible Quote: Molkereiwirtschaft und Politik sollen eine flexible Ausgestaltung der Quotenregelung auf EU-Ebene unterstützen.

»Wir sollen bloß nicht nachdenken, sondern immer weiter produzieren«, empörte sich Michael Alterauge vom BDM-Team im Kreis Olpe. Ein »Wachstum um jeden Preis« will auch Stefan Mann vom BDM Bundesvorstand nicht länger sehen: »Es darf nicht wieder so sein wie früher, dass wir als Kannibalen ausgebildet in die Betriebe geschickt werden.« Kein Betrieb soll weiter gezwungen sein, ständig zu wachsen, um noch auf seine Kosten zu kommen.

Durch mehrere Maßnahmen soll die Milchmenge auf dem Markt verringert werden, ein Überangebot soll durch Zwischenlagerung vermieden werden.

Minister Uhlenberg, der Preis und Angebot lieber durch den Markt reguliert sehen möchte als durch den Staat, hörte die Forderungen der Bauern nicht zum ersten Mal. Vieles von dem was die Bauern wollen, muss auf europäischer Ebene umgesetzt werden und das ist bekanntlich ein langer Weg. »Die Versammlung in Reiste war wichtig, um dem Minister vor Augen zu führen, wie viele Bauern hinter diesen Forderungen stehen«, meint Hubertus Mathweis aus Eslohe. »Es war auch für die Bauern wichtig zu sehen, dass sie nicht mehr alleine sind.«

Einigkeit macht stark

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