Stadtführung durch unsichtbare Geschichte

Stadtführung durch Meschede

Meschede. Viel ist nicht mehr zu sehen vom alten Meschede. Im Krieg wurde der größte Teil der historischen Gebäude ausgelöscht. Aber Stadtführer Werner Preuschgas hat sich mit alten Fotografien und viel historischem Wissen ausgestattet und zeigt, was man heute nicht mehr sehen kann.

»Eigentlich müsste so eine Führung Pflichtveranstaltung sein, für jeden, der hier lebt«, meint Norbert Arens von der Hennesee-Touristik. In der Regel sind es aber Besucher, die sich bei den samstäglichen Führungen über die Geschichte ihres Urlaubsortes informieren wollen.

Ruhrstraße
Ruhrstraße: Hier toste bis 1984 der Durchgangsverkehr

Rathaus
Neues entsteht neben dem Rathaus, das zur 1000-Jahr-Feier eingeweiht wurde

Hessisches Finanzamt
Wechselvolle Geschichte und historische Perspektive: Die hessischen Gäste erfahren mit Verwunderung, dass Meschede mal ihnen gehörte

Und die reicht weit zurück. »Der erste Mescheder hat hier in der Steinzeit gelebt«, informiert Preuschgas seine Zuhörer. Werkzeugfunde im Ensthof und in der Stesse belegen das. Aber das ist lange her. Die Geschichte der Innenstadt liegt da weit aus näher. Auch räumlich.

Wie die Ruhrstraße aussah, bevor 1984 die Fußgängerzone eingeweiht wurde zeigt Preuschgas anhand einer alten Postkarte. »Die habe ich zufällig bei uns im Keller gefunden.« Im Stadtarchiv hat Preuschgas alte Fotografien gefunden, die noch mehr zeigen. Zum Beispiel das »wunderschöne alte Rathaus«, das in der Nähe der Walburga-Kirche stand. Dass die eines der ältesten Steingebäude der Stadt ist überrascht die Gästen nicht, dass die Mauern auf das Jahr 900 zurückgehen schon eher.

Auf dem Weg dorthin kommt Preuschgas zu seinem »Lieblingsplatz« vor dem alten Postamt am Stiftsplatz, Ecke Rebell. Alltagsbanalitäten nennt Preuschgas, was man hier auf einem Fleck sieht: Straßenschild, Postkasten, Telefon. »Wissen Sie, wann das bei Ihnen zu Hause mal eingerichtet worden ist?« In Meschede gibt es seit 1889 Straßenschilder. Damals standen hier genau 235 Häuser, die jeder Mescheder kannte. Die Straßenschilder, erklärt Preuschgas, wurden für die Fremden eingerichtet. »Darauf legten die Mescheder ganz großen Wert.«

Stadtführungen durch Meschede

In dieser Saison werden noch sieben Stadtführungen angeboten.

Sie finden statt, wenn sich mindestens sechs Interessenten melden und dauern ungefähr eineinhalb Stunden.

Die nächsten Termine sind
Samstag 19. Juli,
Samstag 02. August,
Samstag 16. August,
Samstag 06. September,
Samstag 20. September,
Samstag 18. Oktober,
Samstag 25. Oktober.

Telefonische Anmeldung in der Tourist-Information Meschede unter 0291-9022443. Für Gruppen sind eigene Termine nach Vereinbarung möglich.

Der erste Postkasten kam 1865, der erste Fernsprecher kam 1898, das erste Auto 1906 und die letzte Postkutsche fuhr 1921. Viel mehr zu erzählen gibt es über die Walburga-Kirche, die auf den Grundmauern der karolingischen Marienkirche steht: Über die beiden Schutzheiligen zweiten Ranges, die ungewöhnlichen Kruzifixe und die Töpfe unter dem Fußboden. Wer noch mehr wissen will, wende sich an den Pastor, der auch Führungen anbietet. Preuschgas hat noch mehr auf dem Programm.

Vorbei am hessischen Finanzamt und an der preußischen Kommandantur geht es mit Geschichte über das Franzosenlager und den dazugehörigen Friedhof zur alten Synagoge mit dem ungewöhnlichen Stern in den Fenstern. »Das ist die einzige Synagoge in Deutschland, die diesen fünfzackigen Stern hat.« Warum hier nicht der Davidstern prangt, sondern das Siegel Salomons, weiß auch Preuschgas nicht. Die Antwort auf diese Frage ist in der langen Geschichte Meschedes ebenso untergegangen, wie die Stadtmauern und vieles andere, das man nur noch mit den Augen eines Stadtführers sieht.

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