Bödefeld: Wandern für alle

Unterwegs auf dem Bödefelder Freiheitspfad

Bödefeld. »Diesen Weg werde ich ab jetzt wohl öfter nutzen«, sagt Ralf Beckmann. Der 35-Jährige ist der einzige Rollstuhlfahrer in dem Dorf, das sich dem Wandern verschrieben hat. Damit ist er so etwas wie der offizielle Testfahrer des »Bödefelder Freiheitspfades«, des ersten Wanderweges für Rollstuhlfahrer in Westfalen.

Am kommenden Wochenende ist es wieder so weit: Bödefeld lädt ein zu seinem ganz eigenen Wanderspektakel. Zum vierten Mal veranstaltet das 1 600-Seelen-Dorf den »Hollenmarsch», das Fest für Wanderfreunde mit unterschiedlich langen Strecken für jede Konditionsstufe und dem 101 Kilometer langen Nachtmarsch für die Extremisten unter den Fußgängern.

Im vergangenen Jahr musste das Fest wegen der durch den Orkan Kyrill verursachten Sturmschäden ausfallen. In diesem Jahr setzen die Bödefelder mit dem »Wander-Festival« am Sonntag noch einen drauf. Ralf Brune, Initiator des Hollenmarsches, erwartet 10 000 Besucher.

Nicht alle Besucher werden auf ihren eigenen Füßen unterwegs sein. »Ich schätze, dass mindestens 200 Rollstuhlfahrer kommen werden«, sagt Ralf Beckmann. Sie alle haben schon vom »Freiheitspfad« gehört.

Ralf Beckmann
Mitunter rasant: Ralf Beckmann mit seinem Handfahrrad auf dem Bödefelder Freiheitspfad

Die 5,8 Kilometer lange Strecke durch die Wälder rund um Bödefeld sieht aus wie ein ganz normaler Waldweg. Hier und da ist eine kleine Strecke asphaltiert, der Rest des etwa zwei Meter breiten Rundweges ist fester Waldboden. Der Weg ist nicht flach, aber die Steigungen sind nicht größer als sechs Prozent. »Es ist eine sportliche Herausforderung, aber zu schaffen«, sagt Rollstuhlfahrer Beckmann.

Er benutzt für die Strecke ein Handfahrrad, das er an seinen Rollstuhl montiert. Die Pedale, die er in Brusthöhe mit den Armen bewegt, treiben das Vorderrad an, das den Rollstuhl zieht. »In der vergangenen Woche«, berichtet Beckmann, »hat auch ein Rollstuhlfahrer ohne dieses Hilfsmittel den Weg geschafft.«

Beckmann ist auch im Urlaub oft mit seinem Handfahrrad unterwegs. »Ich suche mir die Ziele danach aus, wie viele Möglichkeiten sie für Rollstuhlfahrer bieten.« Die Gegend um Passau, sei sehr gut ausgebaut. Dort war er schon oft. Die Bewegungsfreiheit, die er dort genießt, hat er nun auch zu Hause.

Wandern für alle
Wandern für alle – ganz gleich wie die Gehbehinderung aussieht

»Freiheitspfad« haben die Bödefelder den Weg in Anlehnung an die aus dem Mittelalter stammenden Freiheitsrechte ihres Dorfes genannt. Natürlich ist er nicht nur für Rollstuhlfahrer gedacht. Wanderer mit Kinderwagen werden dort ebenso gut voran kommen, wie Sehbehinderte und Gehörlose mit Begleitpersonen. Am kommenden Sonntag wird der Freiheitspfad im Rahmen des Wander-Festivals offiziell eröffnet.

Weitersagen

Diese Icons verlinken auf Bookmark Dienste bei denen Nutzer neue Inhalte finden und mit anderen teilen können.
  • del.icio.us
  • Facebook
  • email
  • Technorati
  • TwitThis
  • YahooMyWeb
  • Linkarena
  • Wikio DE
  • Y!GG
  • Bloglines
  • Google Bookmarks
  • MisterWong
  • Webnews

Schlagworte: , , , , , , , ,