
Meschede. »Zwei mit Messerspitzen besetzte Schlagringe wurden sichergestellt.« Manchmal tauchen im täglichen Polizeibericht bizarre Dinge auf. Viele erscheinen dann wieder auf dem Tisch des Strafrichters: Ein Blick in die Asservatenkammer der Polizei.
Der Weg in die Asservatenkammer führt durch die Büros des Kriminalkomissariats 12. Schon die Bürodekoration lässt vermuten, womit sich die Ermittler hauptsächlich beschäftigen: Auf einem kleinen Aktenschrank sind ein paar bunte Fundstücke aus der Welt des illegalen Betäubungsmittelkonsums liebevoll arrangiert. Allerlei Rauchgeräte, eine kleine Feinwaage, ein im Inneren mit Nägel besetztes Döschen zum Zerkleinern von Haschischklumpen und ein paar grell-bunte Nippes-Figürchen, die fröhlich-entspannte Kiffer darstellen, bilden eine Art Altärchen des illegalen Lebensstils.
Unten im Keller sieht das alles viel profaner aus. Da liegt nämlich die Asservatenkammer. Ein etwa dreißig Quadratmeter großer Raum mit handelsüblichen Kellerregalen, Metallschränken und einem großen Tresor für Geld und Schmuck. Und blaue Müllsäcke, prall gefüllt. »In den Säcken sind Betäubungsmittel im Wert von rund 20 000 Euro«, sagt Gerd Becker, der die Kammer aufgeschlossen hat. Haschisch, Marihuana, Kokain – alles eingesammelt und erstmal weg gepackt. Das Regal, in dem noch mehr Drogenfunde abgelegt wurden, füllt eine ganze Wand des Kellerraums.
Auch der mit Messerspitzen besetzte Schlagring ist hier. Das Ding sieht aus wie eine Requisite aus einem blutrünstigen Action-Film und passt garantiert in keine Hosentasche. Auch die meisten anderen Waffen, die hier gelagert werden, sind eher unhandlich.
Eine stattliche Sammlung von Karabinern hat die Polizei im Laufe der Zeit zusammen getragen. Auch Kriegswaffen sind dabei: Eine kleine russische Maschinenpistole (alt aber gepflegt) und ein schweres Maschinengewehr mit Standfüßen samt Munition findet sich im Stahlschrank. Eher zurückhaltend und praktisch wirkt da die kleine Pistole mit offenbar selbst gebasteltem Schalldämpfer.
Pro Jahr werden 300 bis 400 Gegenstände beschlagnahmt und eingelagert. Die Buchhaltung ist ebenso einfach wie absturzsicher: Jedes Stück muss handschriftlich in ein gebundenes Buch eingetragen werden. Die Benutzung einer elektronischen Datenverarbeitung sieht das Gesetz nicht vor.
»Wir haben auch mal eine ganze Schafherde asserviert«, erinnert sich Gerd Becker, »aber nicht hier drin.« Ein grausiger Leichenfund machte vor vielen Jahren ein Experiment nötig. Würde eine Schafherde eine Leiche zertrampeln? Schäfer und Biologen würden nein sagen. Aber für einen Mordprozess zählen eben nur harte Fakten – ganz gleich ob sie in eine Schublade oder ein Regal passen.













