Sprechstunde beim Bürgermeister:
»Kommen Sie doch rein«

Bürgersprechstunde

Meschede. Baumpflege, Straßenschilder, Hundekot, Rehe auf dem Friedhof, Baumstämme vor der Grillhütte – in der Sprechstunde des Bürgermeisters kommt einmal im Monat alles mögliche zur Sprache. Nur die Kommunalpolitik kümmert hier niemanden.

»Vieles könnte man auch telefonisch oder schriftlich erledigen«, sagt Bürgermeister Uli Hess, »so schwer ist es ja nicht, mich zu erreichen. Aber vielen ist der persönliche Kontakt doch wichtiger.« Selbst, wenn es nur einmal im Monat ist.

080405-7.jpgDer erste Besucher am vergangenen Samstag will sich bedanken. Im Namen aller Anlieger von »Klocken Kapelle« dankt er für den zügigen Abschluss der Kanalbauarbeiten. »Nein, das habe ich nicht arrangiert«, beteuert der Bürgermeister. Schließlich sei der Mann auch schon zwei mal dagewesen, um sich in der gleichen Sache mit Vehemenz für eine zügige Durchführung der Bauarbeiten einzusetzen.

Jetzt ist alles fertig und die ersten Raser testen in der engen Straße an der Schule wieder ihre Kurvenlage. Deshalb wäre doch ein Tempo-30-Schild sinnvoll. »Vielleicht versuchen wir es erst einmal mit einem inoffiziellen Piktogramm«, meint Hess, »ich spreche gleich am Montag mit dem Fachbereichsleiter.«

GesprächsnotizenSeit seinem Amtsantritt im Jahr 1999 sitzt Hess jeden Monat an einem Samstagvormittag in einem Nebenzimmer des Bürgerbüros für seine Bürgersprechstunde. »In den Ferien und nach Feiertagen lohnt es sich nicht, aber sonst kommen im Durchschnitt drei bis vier Leute, um etwas mit mir zu besprechen.«

080405-5.jpgGleich zu dritt kommen Anwohner der Hünenburgstraße. Rund um ihre Grillhütte im angrenzenden Waldstück wurde in den vergangenen Tagen Sturmholz aufgearbeitet. Nun liegen die Stämme da – und stören. Ende des Monats will der erste Mieter in die Hütte, aber der Waldbesitzer hat Schwierigkeiten mit dem Abtransport der Stämme. »Ich kümmere mich darum«, sagt Hess. »Bis Ende nächster Woche werden wir eine Lösung finden.«

Nicht jedes Problem ist eine Aufgabe für die Stadtverwaltung. »Es war auch mal jemand da, der eine Wohnung suchte«, erinnert sich Hess. Er hat dann mit der Baugenossenschaft telefoniert. Manche Angelegenheiten betreffen auch nur die Kreisbehörden, aber auch da lässt sich hin und wieder mal vermitteln.

Vermitteln muss der Bürgermeister ab und zu auch wenn sich jemand über einen seiner Mitarbeiter beschwert. »Dann mache ich in der Regel einen neuen Termin mit allen Betroffenen und wir reden gemeinsam darüber.«

Bürgermeister Uli Hess»Für mich«, sagt Hess, »ist die Bürgersprechstunde ja auch ein Barometer für Stimmungen und Probleme.« Nur allgemeine politische Stimmungen spielen hier keine Rolle, die Anliegen sind immer konkret. Gab es mal ein ganz besonders bizarres Anliegen? »Ja, aber das kann ich nicht sagen, denn Sie wüssten sofort, wer es war.«

Hin und wieder kochen auch die Gefühle hoch, aber nicht zu sehr. Nur einmal hat Hess in den vergangenen neun Jahren jemanden bitten müssen zu gehen.

Draußen im Bürgerbüro ist an diesem Samstag noch ein bisschen mehr los als beim Bürgermeister. Personalausweise, Eintritts- und Lohnsteuerkarten: Viele nutzen den Samstagvormittag für einen Gang zum Amt. Und wenn der Bürgermeister auch da ist, sagen viele auch einfach nur mal »guten Tag«.

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