
Meschede. Pfarrerin Dorothea Goudefroy weihte am Sonntag die neue Urnenwand auf dem evangelischen Friedhof ein. Grabstelle und Beisetzung sind dort mit knapp 900 Euro unschlagbar günstig. In der kommenden Woche ist dort die erste Bestattung.
Immer wieder habe sie von Angehörigen und von Menschen, die sich auf den eigenen Tod vorbereiten, diesen Wunsch gehört: Ein Grab, das niemand pflegen muss.
»Oft haben die Angehörigen nicht die Möglichkeit, ein Grab über 30 oder 40 Jahre zu pflegen«, weiß Goudefroy. Immer öfter sind auch gar keine Angehörigen mehr da; sei es weil sie selbst längst gestorben sind, oder weil sie aus beruflichen Gründen in einer anderen Stadt leben. Das sei eine gesellschaftliche Tatsache, der man sich nicht verschließen dürfe, sagt die Pfarrerin.
In Deutschland gleichen die meisten Friedhöfe einer Kleingartenanlage: Es wird gepflanzt, gegossen, gejätet und geschmückt. Viel Arbeit. »Viele Menschen«, sagt Goudefroy, »schütten dann das Kind mit dem Bade aus: Ein Grab ohne Pflegeverpflichtung wird gleichgesetzt mit einem anonymen Grab.« Die Entscheidung für ein anonymes Grab bereuen aber viele Angehörige nach zwei oder drei Jahren. »Dann melden sie sich beim Bestatter und wollen wissen, wo genau ihre Toten in dem Feld anonymer Gräber beerdigt sind. Aber nach dieser Zeit kann das dann niemand mehr genau sagen.«
Anonyme Gräber will man auf dem evangelischen Friedhof nicht haben. Es soll für die Angehörigen immer einen Ort des Gedenkens geben.
Die neue Urnenwand hat 24 Kammern für je zwei Urnen. Auf den Marmorplatten, mit denen die Kammern verschlossen werden, sollen die Namen der Toten eingraviert werden. Auf dem Boden vor der Wand können Blumen und Grablichter niedergelegt werden. »Vielleicht«, meinte Goudefroy gestern, »müssen wir diese Fläche demnächst noch ein bisschen erweitern.«
Der Platz für die Erweiterung der ganzen Anlage ist bereits ausgewiesen. Eine zweite und dritte Urnenwand kann schräg angebaut werden, so dass ein Hof entsteht.
Der evangelische Friedhof hat 10 bis 15 Beerdigungen pro Jahr. Das ist eigentlich zu wenig, um den Friedhof zu unterhalten. Deshalb ist mit dem neuen Angebot auch die Hoffnung auf mehr Bestattungen und Einnahmen verbunden.













