
… sagt Katja Seidel. Sie leitet das Jugendzentrum »Rockcafé« in Meschede. Drei Mal pro Woche wird hier von 16 bis 20 Uhr ein fester Stamm von 40 Jugendlichen betreut. Wenn sie kommen, haben viele noch nichts im Magen.
Seit drei Wochen bietet das Rockcafé zwei Mal pro Woche ein warmes Essen an. »Das ist eine Raubtierfütterung«, sagt die Sozialarbeiterin Seidel. Fünf Jahre lang hat sie das Rockcafé geleitet, dann gab sie das Amt vor eineinhalb Jahren an Markus Klein ab. Der hat inzwischen eine Vollzeitstelle in Recklinghausen gefunden und Seidel ist wieder eingesprungen.
»Als ich ging«, sagt Seidel, »waren Integration und Aggressivität der Jugendlichen das größte Problem.« Mit verschiedenen Freizeitangeboten und Anti-Aggressionsübungen bot das Rockcafe Hilfe an. Das ist immer noch so. »Ich hätte mir aber nie träumen lassen, dass die Probleme der Jugendlichen einmal so existentieller Natur sein werden.« Sie haben Hunger.
Bemerkt hat Seidel das Problem an dem Konsum von Süßigkeiten. Wenn das Rockcafé nachmittags um vier öffnet, kaufen sich die Älteren, die ein bisschen Geld haben, dort mehrere Schokoriegel und eine Flasche Cola und verdrücken alles auf einmal. »Die Jüngeren betteln einfach um etwas zu essen.«
Warum? »Viele Kinder gehen mittags nach der Schule nicht mehr nach Hause, um etwas zu essen. Oft ist da niemand, der mit dem Essen auf sie wartet.« Auch die verlängerten Unterrichtszeiten könnten dazu beitragen, dass bei vielen das Mittagessen ausfällt, vermutet Seidel. Sie meint: »Die Schulen sollten ein Mittagessen anbieten.«
Trägerverein des Rockcafés ist das Falken Bildungs- und Freizeitwerk Meschede e.V. Die Einrichtung wird durch das Jugendamt des Hochsauerlandkreises mit 7 500 Euro pro Jahr und dem Gehalt für eine halbe Sozialarbeiterstelle bezuschusst.
Die meisten Jugendlichen, die das Rockcafé regelmäßig aufsuchen, kommen aus portugiesischen und türkischen Einwandererfamilien. Sie sind zwischen 12 und 21 Jahren alt.
Außer einem Café mit Billard, Tischfußball und einem Basketballplatz im Garten bietet die Einrichtung auch regelmäßig Ausflüge und Zeltlager an.
Auch im Rockcafé soll weiter gekocht werden. Eine Küche gibt es, nur die Lebensmittel sind ein Problem. »Von der ›Tafel‹ können wir hin und wieder Lebensmittel bekommen, aber dort weiß man selbst nie genau, was an Spenden hereinkommt.« Für einen Menüplan ist das nichts. Deshalb sucht Seidel Lebensmittelgeschäfte, Firmen oder Privatleute, die mit Geld oder Naturalien helfen, den Hunger der Jugendlichen zu stillen.
»Gegessen wird alles außer Schweinefleisch«, sagt Seidel. Das sei der einzige Vorbehalt, den die Jugendlichen aus türkischen Einwandererfamilien machen. »Einmal bin ich bei Spaghetti Bolognese gefragt worden, in welche Himmelsrichtung die Kuh geschlachtet worden sei, von der das Hackfleisch stammte«, erinnert sich Seidel. Aber das ging ihr zu weit. »Ich habe ihnen gesagt, sie sollen diese Mahlzeit als Integrationsmaßnahme ansehen.«
In der kommenden Woche soll auch ein Kochkurs beginnen. Einmal pro Woche heißt es dann »Kochen mit Thomas«. Die Jugendlichen sollen lernen wie man kocht und einkauft. Da die meisten Kinder aus Einwandererfamilien stammen, in denen ein eher traditionelles Rollenbild herrscht, wird »Thomas« auch vorführen, dass Kochen nicht nur Frauensache ist.
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