Riesige Schnäppchen
Eigentlich ist es ja kaum zu glauben: Sobald irgendein Discounter allwöchentlich seine Sonderangebote anpreist, rennen die Leute ihm die Bude ein. Und wenn es mal ein echtes Schnäppchen gibt, muss man es anpreisen wie Sauerbier und keiner will es. Ich rede vom Bestwiger Bahnhof, liebes Tantchen. Der war bis zum Jahresende für die lächerliche Summe von unter 250.000 Euro zu haben. Zum Vergleich: Die Bahn sagt, wenn sie so eine Treppenkonstruktion, eine Überführung, zum geplanten Außenbahnsteig bauen würde, koste das 1,2 Millionen Euro.
Das heißt konkret, dass eine blöde Metalltreppe, unter der ein paar Züge herfahren, ungefähr fünfmal so teuer wäre wie der ganze Bahnhof! Du siehst also, liebes Tantchen, dass unser Bahnhof wirklich ein Supersonderangebot ist, bei dem man wirklich zugreifen muss.
Nun gut, wirst Du sagen, der Bahnhof selbst ist nicht teuer – aber die Renovierung! Das aber ist völliger Unsinn: 90 Prozent dieser Kosten würden für die hochkomplizierte – eigentlich ist sie so kompliziert, dass sich keiner ran traut – Reparatur der legendären Bahnhofsuhr anfallen. Und es gibt keinen vernünftigen Grund, warum man die Uhr wieder ans Laufen bringen sollte.
Denn zum einen ist das Lästern über diese Uhr, deren Zeiger sich wahrscheinlich beim Aussterben der Dinosaurier letztmalig bewegt haben, ein Quell ewiger Freude im Dorfgespräch. Das hat mittlerweile eine Öffentlichkeitswirkung erreicht, die Sonderangebote bei Discountern weit in den Schatten stellt. Und andererseits verbreitet die Bahnhofsuhr einen Optimismus, den man gerade bei uns in diesen schwierigen Zeiten gut gebrauchen kann, liebes Tantchen. Sieh mal: In vielen anderen Städten ist es schon fünf vor zwölf, wie die Politiker immer warnen. Da ist es doch ein wunderbarer Trost, dass es bei uns in Bestwig erst 13 nach 11 ist. Unserem preiswerten Schnäppchen-Bahnhof sei Dank! Und das ist doch auch für 2008 eine schöne Perspektive, woll?
Dein Spottlachs Paul
Schlagworte: Bestwig, Dorfleben, Glosse, Heringhausen, Kyrill, Nuttlar, Ostwig, Politik, Tourismus, Velmede, Vereine, Wetter













