Bahnkunden hoffen auf Bewegung

Bahnhof in Bestwig
Bahnhof in Bestwig: Bewegendes rollt hier schon lange nicht mehr

Meschede/Bestwig. Lokführerstreik, wieder einmal, jetzt aber richtig. Ab 12 mittags sollen heute die Räder im Güterfernverkehr der Bahn für 42 Stunden stillstehen. Nur im Hochsauerland wird wohl nicht viel passieren, wieder einmal.

»Es gibt hier gar keine Güterzug-Lokführer«, sagt Michael Gerhards von der GDL in Bestwig. Deshalb wird man auch vom diesem Lokführerstreik hier nicht viel merken.

Sehr zum Verdruss seiner Gewerkschaftskollegen: »Die Leute möchten am liebsten von heute auf morgen die ganze Bahn lahmlegen – auch ohne Gewerkschaft«, so wütend seien sie, sagt Gerhards. Dass die Bahn ihre Mitarbeiter miserabel behandele sei eine Sache. Was Politiker, allen voran Bundesverkehrsminister Tiefensee, in den vergangenen Wochen zu dem Thema beitragen und wie da mit der ältesten Berufsgewerkschaft Deutschlands umgegangen werde, sei nicht mehr als unsachlich und unverschämt.

Bei den wenigen Unternehmen in der Region, die beim Gütertransport noch auf die Bahn setzen, hofft man auf ein schnelles Ende des Tarifkonflikts. Thomas Abrell, Werksleiter Logistik beim Holzverarbeiter Egger in Brilon fürchtet nicht so sehr um den Abtransport des Holzes per Bahn, denn den übernehmen teilweise Privatbahnen. Schwierig könnte es aber mit der eigenen Rohstoffversorgung werden. Holzvorräte hat das Unternehmen genug, um eine Weile durchzuhalten. Leim und Tränkharze werden auch bei einem 42-stündigen Streik nicht knapp. »Wenn aber eine Woche lang gestreikt werden soll, muss die Produktion teilweise eingestellt werden.« Die Firma transportiert 20 Prozent ihrer Güter per Bahn.

Mehr Probleme haben die Kunden der Firma Egger: Möbelfabriken sind mit ihrer Produktion von zeitgenauen Lieferungen abhängig. Bei den großen Warenmengen und ausgeklügelten Logistikketten kann man nicht ohne Weiteres auf Lastwagen umsteigen.

Genau das haben die Verlader der Spedition Häger in Bestwig schon in den vergangenen Tagen getan. Ein bis zwei Waggons kommen täglich bei Häger an. »Unsere Verlader haben aber schon Vorsichtsmaßnahmen getroffen«, sagt Bernd Häger. »Es wird schon jetzt mehr per Lastwagen transportiert.« Ein Streik im Güterverkehr, meint Häger, sei trotzdem schlimm: »Schon ein Streiktag lässt mancherorts die Bänder still stehen.«

Vielleicht kommt die Bahn ja in Bewegung bevor in der kommenden Woche alles stillsteht.

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