Schlangen, Skorpione, Homöopathie

Tierärztin Friederike Weichenhan
Tierärztin Friederike Weichenhan und Assistentin Stefanie Scholle bändigen einen 18-jährigen Kater

Meschede. »Die Leute schaffen sich alles an, was Bau- und Gartenmarkt hergeben«, sagt Tierärztin Friederike Weichenhan. Bei ihr landen sie dann, die Haustiere, die keine sind – Schildröten, Schlangen und Skorpione.

Die zwei kleinen kranken Skorpione, die Weichenhan behandelt hat, führen die Rangliste der exotischten Tiere an. »Die hatten Milben«, erinnert sich die Tierärztin. Die Milben wieder zu beseitigen war keine leichte Aufgabe, denn die herkömmlichen Mittel, die Parasiten beseitigen, beseitigen auch Skorpione.

Die Tiere, die in einem normalen Haushalt nichts zu suchen haben, werden immer mehr: Vogelspinnen, Schlangen, Warane, Kaimane. »Der Trend ist ganz klar steigend und kompetente Halter kommen selten«, weiß Weichenhan. Es seien zunehmend junge Leute ohne viel Wissen über die Haltung solcher Tiere. Und bei einem Umzug, bleiben immer wieder Tiere in der alten Wohnung zurück. Große Schildkröten sind da fast schon normal. Jedenfalls bis sie zu groß und zu umständlich werden. Dann findet eine Schmuckschildkröte auch schon mal im Hennesee ein neues Zuhause.

Weichenhan beobachtet aber auch einen erfreulichen Trend: Halter von Hunden und Katzen geben sich mehr Mühe mit ihren Tieren. Übung und Erfahrung nehmen zu, die Zahl der Trainer und Schulen auch. Ein guter Trend für Tierärzte, denn ihre Leistungen gibt es nicht auf Krankenschein. Weil es ohnehin immer eine Rechnung gibt, haben auch alternative Heilmethoden eine Chance.

Homöopathie, Bachblüten, Akupunktur: Das funktioniert auch bei Tieren – und sie müssen noch nicht einmal daran glauben. »Bei menschlichen Patienten ist das Vertrauen in den Arzt wichtig für den Heilungserfolg. Bei Tieren kann man das erst gar nicht erwarten.« Das die Homöopathie trotzdem ihren festen Platz in der Tiermedizin gefunden hat, verdankt sie ausgerechnet ihren Kritikern. »Es waren Pathologen, die beweisen wollten, dass Homöopathie nicht wirkt«, sagt Weichenhan. »Aber ihre Studien belegten das Gegenteil.« Deshalb stehen so viele kleine Fläschchen in Weichenhans Praxis; die Akupunktur-Nadeln liegen in jeder Größe bereit.

Hat die Tierärztin ein Lieblingstier? »Bullterrier sind richtige Clowns und total auf den Menschen geprägt«, sagt sie. »Leider sind sie völlig in Verruf geraten.« Ihre Tochter sei in der Wurfkiste ihres Bullterriers nicht nur willkommen, sondern auch vollkommen sicher gewesen. Weichenhan selbst hat als Kind oft in der Hundehütte ihre Boxers geschlafen. Nachahmung empfiehlt sie aber trotzdem nicht. »Kinder verstehen die Warnungen der Hunde nicht und in der Regel überleben Kleinkinder es nicht, wenn der Hund sie in Sicherheit tragen will.« Aber auch Erwachsene sind nicht sicher vor Missverständnissen. Und so konnte kürzlich ein kleiner Yorkshire-Terrier den Arm seines Frauchens zerfleischen.

Exoten aus dem Raiffeisenmarkt

Volker Bäumer
Volker Bäumer kennt sich aus mit Exoten

Die Königspython kostet 39,95 Euro, die Boa Constrictor 99 Euro, der Glattstirnkaiman wäre für 450 Euro zu haben.

»Aber nicht für jeden«, sagt Volker Bäumer. »Wer so ein Tier bei mir kaufen möchte, muss mir ernst einmal beweisen, dass er sich damit auskennt und für das Tier sorgen kann. Wir machen dann einen richtigen Test.« Die Tierabteilung im Mescheder Raiffeisenmarkt arbeitet mit dem Veterinäramt und der Unteren Landschaftsbehörde zusammen. Die Tiere kommen aus Nachzuchten.

Glattstirnkaiman
Als Haustier immer beliebter: Glattstirnkaiman

Viel Umsatz kann der Markt mit den Tieren nicht machen. »Das wollen wir auch gar nicht«, sagt Bäumer. »An regnerischen Tagen sind wir so etwas wie ein kleiner Zoo. Dann kommt der Opa mit den Enkeln, um sich Schlangen, Spinnen und Krokodile anzusehen. Auf dem Weg nach draußen werden dann eben noch Süßigkeiten oder andere Waren gekauft.«

Dass nicht jeder Gartenmarkt so arbeitet, weiß Bäumer auch. »Ich kaufe selbst beschlagnahmte Tiere auf und versorge sie zu Hause.«

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