Bestwig. Die Lokführer streiken heute bundesweit von acht bis elf Uhr. Michael Gerhards, Vorsitzender der GDL-Ortsgruppe Bestwig erklärt warum.
Herr Gerhards, 30 Prozent mehr Gehalt ist eine üppige Forderung. Nicht alle Bahnmitarbeiter sind der Ansicht, dass nur die Lokführer eine besonders hohe Verantwortung tragen und deshalb mehr verdienen müssen.
Viel Verantwortung tragen auch andere Berufsgruppen bei der Bahn. Aber wenn sie mehr Geld dafür sehen möchten, dann muss sich deren Gewerkschaft auch dafür einsetzen und sich nicht mit 4,5 Prozent mehr Lohn zufrieden geben.
Das Eingangsgehalt für einen Lokführer liegt zur Zeit bei 1 340 Euro netto pro Monat. Ein Verheirateter mit zwei Kindern bekommt 1 530 Euro netto. Alles was wir wollen, ist ein Anfangsgehalt von 2 500 Euro brutto. Und das ist bei den vorherrschenden Arbeitsbedingungen keine üppige Forderung.
Wie sehen diese Arbeitsbedingungen aus?
Wir haben jeden Tag unterschiedliche Arbeitszeiten, mal beginnen wir morgens um drei, mal mittags, mal am späten Abend. Von 18 Wochenenden, die ein Dienstplan umfasst, müssen wir an 11 Wochenenden arbeiten. Wochenende haben wir übrigens auch dann, wenn wir freitags um Mitternacht Feierabend haben und montags um 3.27 Uhr wieder zum Dienst müssen. Familie und Freunde kommen dabei zwangsläufig zu kurz. Ich habe 10 Jahre in einem Verein Fußball gespielt und weitere 20 Jahre ehrenamtlich als Trainer gearbeitet. So etwas ist heute gar nicht mehr möglich.
Hinzu kommt noch eine besondere psychische Belastung: Während seines Berufslebens tötet jeder Lokführer durchschnittlich zwei Menschen. Zum Teil sind es Unfälle, zum Teil sind es Selbstmörder. Nicht jeder Kollege verkraftet das Erlebnis, mit seinem Zug auf einen Menschen zuzurasen und zu wissen, dass der Bremsweg zu lang sein wird.
Würden sich alle ihrer Kollegen an dem Streik beteiligen?
In Bestwig sind 30 von 40 Lokführern in der Gewerkschaft, aber nur vier von ihnen dürfen überhaupt streiken, die anderen sind Beamte. In Dortmund und Fröndenberg sieht das ganz anders aus. Dort gibt es fast nur noch angestellte Lokführer. Und alle sind nur noch wütend über das Angebot der Bahn, das letztendlich auf eine Gehaltskürzung hinausläuft.
Müssen wir auch im Sauerland mit einem Streik der Lokführer rechnen?
Von acht bis elf Uhr werden wir heute bundesweit streiken. Ich weiß noch nicht, wie viele unserer Mitglieder heute Dienst haben. Außer in Meschede und Arnsberg haben hier alle Bahnhöfe nur zwei Gleise. Ein Zug reicht da aus, um die Strecke zu sperren.
Würden die Züge auch auf offener Strecke stehen bleiben?
Nein, die Züge werden nicht einfach anhalten. Wenn ein Zug stehen bleibt, dann im Bahnhof, so dass die Reisenden aussteigen können. Wir nehmen keine Geiseln.
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