Ein Hauch von Bangladesh im Sauerland

Meschede. Nachdem es seit Dienstagmittag ununterbrochen geregnet hatte, war die Freiwillige Feuerwehr mit 140 Mann im Einsatz, um Keller trocken zu legen. Hinzu kamen Hilfskräfte des THW und des Roten Kreuzes. Die ganze Nacht hindurch wurde gepumpt. Gegen 7.30 Uhr am Mittwochmorgen hatte die Leitstelle des HSK noch keinen kompletten Überblick über das Ausmaß des Hochwassers: »Wir sind praktisch überall.«

Trinkwasser in Arnsberg gefährdet

In Teilen von Arnsberg sind über 30 000 Bürger aufgefordert, ihr Trinkwasser bis auf weiteres abzukochen. Offenbar besteht die Gefahr, dass Ruhrwasser in die Trinkwasserbrunnen gelangt. Ab sofort soll Wasser, das zum Essenmachen, Trinken oder Zähneputzen verwendet wird, drei Minuten lang abgekocht werden.

Vom Hochwasser besonders betroffen waren die Ortsteile Oeventrop, Uentrop, Bruchhausen, Niedereimer und Herdringen.

Verkehrssperrungen im HSK

Nach den starken Regenfällen in der Nacht wurden folgende Straßen im Kreisgebiet durch die Ordnungsbehörde gesperrt:
Arnsberg, B7 (Niedereimer Feld) zwischen Niedereimer und Bruchhausen.
Sundern, L 686, zwischen Erlenbruch und Herblinghausen.
Sundern, K 6, zwischen Westenfeld und Altenhellefeld.

Ab Mittwochmorgen:
Marsberg, Lange Ricke / K 65 zwischen Obermarsberg und der B 7
Sundern, L 686 zwischen Sundern und Westenfeld. Die Fahrbahn wurde unterspült und brach teilweise weg. Zudem stürzte auf dem Teilstück ein Baum auf einen Lkw-Anhänger. Es blieb bei einem Sachschaden.

Bei anhaltenden Niederschlägen steigt die Hochwassergefahr der Bäche und Flüsse im HSK. Die Polizei rechnet mit weiteren Überschwemmungen und Verkehrsbehinderungen.

»Kleine Henne« ganz groß

»So etwas hatten wir hier seit 60 Jahren noch nicht«, sagt Josef Gödde. In dem kleinen Tal bei Meschede hat die Kleine Henne alle Höfe unter Wasser gesetzt. Gödde nutzt seine Güllewagen, um das Wasser wegzuschaffen.

Bei Familie Wollmeiner steigt das Wasser seit drei Uhr morgens. Die Wäsche, die unter einen Dach im Garten trocknen soll, ist unerreichbar – eingeschlossen von den Wassermassen. Der Keller ist auch hier überflutet. Vorsorglich wurde der Strom abgeklemmt. »Ich bin froh, dass die Nachbarn mir einen Gaskocher gebracht haben«, sagt Brigitte Wollmeiner. Darauf kocht sie nun Kaffee für die Feuerwehrleute, die seit den frühen Morgenstunden mit mehreren Pumpen an und in ihrem Haus im Einsatz sind.

Nur noch wenig Platz im Hennesee

Pro Sekunde strömen zur Zeit 35 Kubikmeter Wasser in die Henne-Talsperre, zu deren Zuflüssen auch die Kleine Henne gehört.
»Wir haben im Moment noch etwa einen Meter, das sind 1,5 Millionen Kubikmeter, Platz in der Talsperre«, sagt Markus Rüdel vom Ruhrverband in Essen. Vorsichtshalber lässt der Ruhrverband jetzt 14 Kubikmeter pro Sekunde aus der Talsperre ab. Wenn der Regen andauert wird es mehr: Dann würde der Überlauf aktiviert. Rund 30 Kubikmeter Wasser würden dann über den schmalen Bach »Henne« durch die Stadt geleitet. Dort haben die Anlieger schon jetzt die Keller voll.

Büren abgesoffen

In Büren (Kreis Padeborn) flutete die Alme am späten Vormittag die Innenstadt und angrenzende Orte. Die Bahnhofstraße musste gesperrt werden. In Büren-Weine stand am Mittag die Schützenhalle und eine Backstube unter Wasser.

Wegen des Hochwassers sind hier noch folgende Strecken gesperrt:
K 55 – Salzkotten-Verne nach Delbrück-Boke
K 61 – Salzkotten-Verlar nach Geseke
K 38 – Paderborn-Dahl nach Altenbeken Schwaney

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