Klein, freundlich und robust

Jolly Schrenk

Berlar. Ihre Freundin bekam Islandpferde, weil deren Eltern Tiere für das Grünland ihrer Gärtnerei suchten. So kam Jolly Schrenk mit 11 Jahren zur Reiterei. Inzwischen ist die 45-Jährige elf Mal Deutsche Meisterin und vier Mal Weltmeisterin auf den kleinen Pferden mit der rückenfreundlichen Gangart.

Neugierig beäugen sie jeden Besucher der Reitschule Berger in Berlar. Die Islandpferde stehen in Auslaufboxen oder werden gerade gesattelt, gebürstet, geduscht. Ein kleiner Hengst kommt gerade von der Arbeit in der Reithalle und teilt seinen Artgenossen mit schrillem Gewieher mit, dass er wieder da ist. Die Herde wiehert zurück, dann ist wieder Ruhe.

»Man kennt es ja oft, dass Pferde einem drohen oder den Hintern zudrehen. In einer Herde von Islandpferden kommt das nicht vor«, sagt die frisch gekürte Weltmeisterin Jolly Schrenk. »Jedes Kind kann da reingehen ohne gebissen, getreten oder über den Haufen gerannt zu werden.« Schon ihre überschaubare Größe macht die Islandpferde sympathisch. Und ihre Ausgeglichenheit: »Sie sind nie aggressiv und immer positiv gestimmt gegenüber dem, das kommt«, sagt Schrenk. Selbst wenn man sich ihnen von hinten nähert – bei anderen Pferderassen kann das schmerzhafte Folgen haben – bleiben sie gelassen.

Klein, freundlich und robust sind die Isländer; geeignet für Kinder, Eltern und Großeltern. Für diese Zielgruppe stehen auch die Turniere offen. Jolly Schrenk nahm schon als Kind daran teil. Anfangs nur einmal im Jahr, dann häufiger. In der Dressur, dem Springen und in der Vielseitigkeitsprüfung ritt sie mit ihrem Islandpferd auch gegen Großpferde. »Das war dann immer sehr amüsant, weil das Publikum immer auf Seiten der Kleinen war. Das hat dann natürlich auch viel Spaß gemacht.« Jolly Schrenk hat auch die großen Pferde geritten, Western-Reiten und Cutting. Aber die kleinen Pferde mit den wilden Mähnen und dem ausgeglichenen Gemüt wurden und blieben ihre große Liebe.

Und ihr Beruf. Sie bildet aus – Pferde und Reiter. Auch mit der »Korrektur« von Pferden beschäftigt sie sich, wenn Pferde etwas nicht so machen, wie der Reiter es gerne hätte.

Pferdeflüsterei? »Schlaue Menschen haben das sehr gut vermarktet«, lacht Schrenk. Aber die Zeiten, in denen der harte Cowboy-Alltag keine Zeit für eine langsame und geduldige Pferdeausbildung bot, seien schon lange vorbei. Bei der Ausbildung nehmen man allgemein Rücksicht auf die Psyche und die körperliche Leistungsfähigkeit eines jungen Pferdes. »Das ist aber im Grunde kein großes Problem«, sagt Schrenk. »Man muss sich da ja immer wieder über die Gutmütigkeit der Pferde wundern, die im Grunde nichts dagegen haben, geritten zu werden, wenn es nur auf anständige Weise gefordert wird.«

Gefordert sind natürlich auch die Reiter. Der Tölt, der »Reisegang« der Islandpferde, der es dem Reiter erlaubt auch bei hoher Geschwindigkeit noch bequem zu sitzen, muss von Pferd wie Reiter geübt und gepflegt werden. »Man kann jedes Pferd ›verreiten‹. Beim Islandpferd ist es dann einfach nicht mehr so bequem, wenn es töltet.« Und da die Reiter vor allem die Bequemlichkeit der kleinen Zottel schätzen, geben sie sich in der Regel sehr viel Mühe damit. Mehr Mühe, als man mitunter bei anderen Reitern antrifft.

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