Chili: Die rote Nase öffnet alle Türen

Klinik-Clown Chili

Bestwig/Dortmund. Margret S. kann sich an den Namen ihres Mannes nicht mehr erinnern. Wenn sie einen Satz sagt, springen darin mindestens fünf Gedanken durcheinander. Sie leidet an Demenz und lebt in einer eigenen Welt der Erinnerungen.

Zusammen mit 150 anderen alten Menschen lebt sie im Seniorenzentrum »Haus am Tiefenbach« in Dortmund-Eichlinghofen. Dort ist man auf die Pflege dementer Menschen spezialisiert. Mit vielen Angeboten und persönlicher Ansprache bemüht man sich die dort täglich, den verwirrten Alten einen schönen Lebensabend zu geben.

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Chili: Die rote Nase öffnet alle Türen

Und dann kommt »Chili«. Chili – das ist Daniela Stratmann. Eigentlich ist die 31-Jährige Lehrerin für Psychologie und sonderpädagogische Förderung am Berufskolleg des Bergklosters in Bestwig. Einmal im Monat schlüpft sie für zwei Stunden in die Rolle des Klinik-Clowns »Chili« und besucht die alten Menschen in Dortmund.

Lachzwang? Nein. Chili nimmt sich Zeit für jeden Einzelnen – und für die Gefühle der alten Menschen. Sie lacht mit ihnen und sie weint mit ihnen, sie nimmt in den Arm, sie singt mit ihnen. Und dann werden die Augen der verwirrten Alten für einen Augenblick wieder wach. Sie leben auf.

Klinik-Clown Chili

»Das ist es, was den Bewohnern besonders gut tut«, sagt Sabine Mathiak, Leiterin des Sozialdienstes im »Haus am Tiefenbach«: »Chili nimmt die Stimmung jedes Einzelnen auf und macht etwas daraus. Und das muss nicht immer lustig sein.«

In einem der Aufenthaltsräume in Wohnbereich 2 des Seniorenzentrums sitzen sieben Frauen zusammen, eine Katze schläft friedlich in einem Fernsehsessel. Chili kommt herein und wird freudig begrüßt. Sie macht keine Faxen für alle, sondern geht erst einmal behutsam auf die 90-jährige Johanna F. zu. Der Clown redet freundlich mit der alten Dame, bezieht nach und nach auch die anderen ein. Schließlich stimmt Chili ein Lied an und die Frauen singen mit. Eine andere Frau kommt hinzu. Aber sie hat keine Zeit, sich mit dem Clown zu unterhalten. »Ich bekomme gleich Besuch«, meint sie, »viele Termine.« Der Besuch wird nicht kommen, die Termine gibt es nicht, aber Chili respektiert, was die Frau sagt.

»Ich klopfe immer an und frage, ob ich reinkommen darf«, sagt Daniela Stratmann. »Wenn jemand sagt, ›Hau ab‹ oder ›Lass mich in Ruhe‹ freue ich mich sogar, denn das ist ein Zeichen für einen lebendigen eigenen Willen.«

Oft kommt das aber nicht vor. Die rote Nase erkennen alle schnell wieder – und die langen blonden Zöpfe. Die sind besonders beliebt: »So schöne Zöpfe hat ich auch einmal«, heißt es immer wieder.

Die Clown-Ausbildung, die Stratmann extra für den Bereich Altenpflege gemacht hat, kommt ihr auch beim Unterricht am Berufskolleg in Bestwig zu Gute. »Humor in der Pflege« ist dort ein Thema mit dem sich auch angehende Altenpfleger und Sozialhelfer beschäftigen müssen. »Humor hilft den Pflegenden und den Patienten«, weiß Stratmann. »Ein Lächeln öffnet viele Türen und die positive Wirkung des Lachens auf Körper und Seele ist sogar messbar.«

»Wir wollen Chili gar nicht mehr hergeben«, sagt auch Dagmar Kostedde, die Leiterin des Dortmunder Seniorenzentrums. Alle bestätigen: Die Bewohner, sind nach einem Besuch von Chili offener, aktiver, lebendiger. Vielleicht macht das Dortmunder Bespiel ja Schule. Gerade hat ein Mescheder Altenheim um einen Schnupper-Termin gebeten.

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