Erklärungsnebel im Firmengeflecht

Bestwig/Meschede. »Nun schweifen Sie doch nicht immer ab, konzentrieren Sie sich doch mal auf das Wesentliche.« Mehr als einmal versuchte der Angeklagte gestern, der vorsitzenden Richterin des Schöffengerichts ihren Beruf beizubringen. Die zeigte eine bemerkenswerte Geduld.

Viel Geduld ist auch nötig, um die Vorwürfe zu klären. Die wortreichen Ausführungen und Belehrungen des angeklagten Geschäftführers mehrerer Energietechnik-Firmen aus Bestwig haben bislang jedenfalls eher zum Verdruss aller Beteiligten als zur Klärung der Sache beigetragen.

In Warstein soll er staatliche Zuschüsse für einen neuen Heizkessel kassiert, dann aber einen alten Kessel eingebaut haben. Im Falle eines Wohngebietes in Wehrstapel ist es die Rechnung für einen nicht existierenden Heizkessel, die ihm den Vorwurf des Subventionsbetruges eingebracht hat. Der Angeklagte bestreitet, die zuständigen Behörden getäuscht zu haben. Alles sei klar abgesprochen gewesen. Die zu diesem Anklagepunkt gehörten Zeugen wollten diese Ansicht nicht zu bestätigen.

Weil die Forstämter Subventionen zurückforderten, musste erst eine der zahlreichen Firmen Insolvenz anmelden, dann die nächste. Über die Rechtmäßigkeit der Rückforderung streitet man sich auch vor dem Verwaltungsgericht Arnsberg.

Insolvenzverschleppung lautet die Anklage im Fall einer weiteren Firma aus dem Firmenverbund. Eine als Zeugin geladene Gerichtsvollzieherin lobte zwar enthusiastisch die Kooperationsbereitschaft des Angeklagten bei ihren wöchentlichen Besuchen. Aus der Welt ist die Anklage damit aber noch nicht.

Nach dem Willen der Verteidigung soll sich das Gericht in der nächsten Sitzung mit neuen Zeugen mit den »großen Zusammenhängen« des Firmengeflechts befassen. Man könne ja nicht nur eine der GmbHs isoliert betrachten. Das Gericht sieht das bislang anders.

Auch zum Vorwurf des Subventionsbetruges werden noch weitere Zeugen gehört. Bis zum Urteil wird es noch eine Weile dauern. Inzwischen sind neue Anklagen wegen Insolvenzverschleppung und betrügerischen Bankrotts wahrscheinlich.

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