
Meschede. »Wir waren artiger«, da sind sich die Kommunionkinder von 1937 einig. Am Sonntag feierten sie das 70. Jubiläum ihrer Erstkommunion.
Natürlich beging man den Jahrestag mit einer Messe. Zelebriert wurde sie von Hans-Theo Schulte, der ebenfalls zu den Jubilaren gehört. Beim anschließenden gemeinsamen Essen war viel Gelegenheit, sich zu erinnern – an Geschenke, zum Beispiel.

»Junge, das ist dein Sterbekreuz«: Nach vielen Jahrzehnten hat Pastor Schulte sein Kommunionsgeschenk nun an die Wand gehängt.
»Junge, das ist dein Sterbekreuz«, habe seine Großmutter zu ihm gesagt, als sie ihm ein silbernes Kruzifix mit Holzeinlage zur Kommunion schenkte. Schulte zeigt das Geschenk mit Stolz und Augenzwinkern. »Das habe ich dann erstmal ein paar Jahre weggepackt. Jetzt habe ich es wieder an die Wand gehängt.«
Gebetbücher, Rosenkränze, »Weihwasserpöttges«, Madonnen, Messbücher, in denen man die deutschen Übersetzungen der lateinischen Messen nachlesen konnte, und andere nützliche Dinge wie Kniestrümpfe und Bälle gab es zur Kommunion. »Aber kein Geld, das hatte damals niemand.« Bei manchen gab es auch die erste Uhr zu Kommunion, erinnert sich Franz Droste. Er hat aber keine bekommen und seine anderen Geschenke hat er auch nicht mehr. Die gingen bei einem Bombentreffer in der Nördeltstraße verloren. »Da blieb nichts übrig.«
Auch vor 70 Jahren war die Erstkommunion ein großes Familienfest mit viel Aufwand. »Bei uns gab es an dem Tag Rinderfilet«, erinnert sich Johanna Wilmers. Noch besser erinnert sie sich an den Preis eines Salatkopfes im April vor 70 Jahren: Mit 50 Pfennig war der Salat beinahe teurer als das Fleisch. Dabei musste nicht nur die eigene Familie beköstigt werden, sondern auch Teile der Nachbarschaft. Denn jedes Kommunionkind hatte ein »Engelchen«, ein jüngeres Nachbarskind, das, ausgestattet mit einer Plastiklilie, das Kommunionkind in die Kirche begleitete.
Für Lotte Kleffner war ihre Erstkommunion eine Katastrophe. Sie durfte mit ihrer jüngeren Schwester ein Jahr früher, schon 1936, zu Kommunion gehen. »Man hat uns in die Kirche getragen«, erinnert sie sich mit Grauen, denn der Schnee lag einen Meter hoch und die Verwandtschaft aus anderen Orten blieb darin stecken – und mit ihnen die Geschenke.

Artig: Die Aufstellung zum Erinnerungsfoto klappt auch nach 70 Jahren noch ohne Drängeln und Schubsen.
Mit 18 zu 6 sind die Frauen beim 70. Jubiläum deutlich in der Mehrheit. »Manche kommen auch nicht mehr, weil sie mit der Kirche nichts mehr zu tun haben wollen«, weiß Margret Thiekötter. Etwa 120 Kinder waren es, die 1937 ihre erste Kommunion in St. Walburga empfingen; 120 Kinder, das waren zwei Schulklassen. Der Rohrstock war damals noch ein pädagogisches Instrument, erinnert sich Pastor Schulte. Aber man war ja ohnehin artiger als die Kinder von heute.













