Über Ostern ist Pause im Wald

Harvester bei Remblinghausen

Baldeborn. »Es fällt immer wieder etwas um«, sagt Meinhard Stratmann und deutet auf den Rand einer Weide. Bevor er seine Kühe auf das Grünland lässt, muss er sicher sein, dass sie nicht von Bäumen erschlagen werden. Die meiste Arbeit wartet aber noch im Wald.

Die Stratmanns

Holzheizung: Wohlige Wärme auch bei Stromausfall.

Die Stratmanns heizen mit Holz. Ein großer Herd in der Küche versorgt das ganze Haus mit heißem Wasser. Das funktioniert ohne Strom. So musste die Familie wenigstens nicht frieren, als »Kyrill« die Leitungen kappte. Meinhards Vater, Karl Stratmann, kann noch lachen. »Andere«, sagt er, »haben den Verlust nicht so einfach weggesteckt.« Es gab auch Nervenzusammenbrüche. Der Wald macht bei den Stratmanns rund 20 Prozent der Betriebseinnahmen aus. In den kommenden Jahren wird dieses Geld fehlen. Meinhard Stratmann denkt daran, noch einen zusätzlichen Güllestall zu bauen. Der kostet weniger Arbeitszeit als der Strohstall, in dem sein Kühe jetzt stehen. Die Zeit braucht er für den Wald.

In den ersten sechs Wochen nach »Kyrill« war er nur damit beschäftigt, Wege und landwirtschaftliche Flächen frei zu räumen; zwei Kilometer Weidezaun müssen repariert werden. »An vielen Stellen sind die Bäume am Rand stehen geblieben, während im Wald selbst alles am Boden liegt«, sagt Karl. Er hat einen großen Teil der Bäume in den 1950er Jahren gepflanzt, die jetzt der Sturm gefällt hat. Rund 15 000 Festmeter sind es auf den 75 Hektar der Stratmanns. So viel wird normalerweise im Lauf von 35 Jahren eingeschlagen. Die Wiederaufforstung wird fünf Jahre dauern. Rund 80 Prozent des Fichtenbestandes hat es erwischt. Aber auch junge Eichen (50 Jahre alt) und Buchen blieben nicht verschont.

»Die Buchen sind besonders gefährlich«, sagt Meinhard bei einer Rundfahrt durch seinen Wald. Auf praktisch nicht mehr erkennbaren Wegen rumpelt sein Schlepper die Hänge rauf und runter; vorbei an liegenden, hängenden und gesplitterten Bäumen. »Bei den Fichten ist es eigentlich nur der Stamm, der unter Spannung steht, bei den Buchen ist es jeder einzelne Ast.«
Wie Mikado-Stäbchen liegen die Bäume durcheinander. Setzt man die Kettensäge an der falschen Stelle an, kommt alles in Bewegung; Stämme können hochschnellen, andere Stämme können herunterfallen – keine Arbeit für Amateure.

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Harvester

Die Forstbetriebsgemeinschaft Remblinghausen, zu der auch die Stratmanns gehören, muss insgesamt 2 300 Hektar aufräumen. Dafür wurde ein Unternehmen aus Baden-Württemberg engagiert, das mit sieben Mann, zwei Harvestern und zwei Rückezügen unterwegs ist.

»Wir arbeiten auch sonntags«, sagt Herbert Fischer, der einen der Harvester steuert. Mit seinem Kollegen Matthias Müller spielt er von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang Mikado: »Wer etwas bewegt, hat verloren.« Mit der Kettensäge turnt Müller über die Stämme, fällt die letzten Stümpfe, durchtrennt die Stämme dort, wo alles hoffnungslos verkeilt ist, zeigt dem Harvester den Weg. Dann greift die Klaue des Ungetüms die liegenden Stämme, zieht sie durch zwei zahnbewährten Stahlwalzen aus dem Gewühl. Die eingebaute Kettensäge klappt herunter und schneidet das Holz präzise auf die gewünschte Länge. Seit 13 Jahren ist Fischer mit seinem Harvester in ganz Deutschland und bis Frankreich unterwegs.

Erfahrung ist wichtig für die Arbeit, macht aber auch nicht unverwundbar. Prellungen und Knochenbrüche sind ganz normale Nebenwirkungen, weiß auch Forstamtsleiter Edgar Rüther. Er vermittelt die Forstunternehmen an die Waldbesitzer und Forstbetriebsgemeinschaften, prüft die Qualifikation, handelt Preise aus. Zusammen mit dem Amt für Arbeitsschutz in Arnsberg wird das Forstamt in den nächsten Monaten auch viel Zeit darauf verwenden müssen, die Qualifikation der zahllosen anderen Arbeiter im Forst zu kontrollieren. Tote gab es schon genug.

Über Ostern ist Pause im Wald. Die Forstwirte aus dem Süden werden aber noch drei Monate lang rund um Remblinghausen aufräumen – an sieben Tagen pro Woche, von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang.

Matthias Müller und Herbert Fischer machen Pause – aber nicht lange.

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