Kyrill: Touristen sollen trotzdem kommen

Ebbinghof. Unterwegs nach Ebbinghof sieht man sie überall, die Opfer von Kyrill. Bäume in allen Größen liegen herum. Und wer vorsichtshalber nicht zu lange den Blick von der Straße nimmt, dem kommt auch da das Holz entgegen – auf Langholztransportern. Die dürfen jetzt auch am Wochenende fahren.

Wer Sturmschäden besichtigen will muss die Straße eigentlich gar nicht verlassen. NRW-Landwirtschaftsminister Eckhard Uhlenberg tut es trotzdem – regelmäßig. »Ich habe das zweifelhafte Vergnügen, jede Woche hier zu sein«, sagt er im Wohnzimmer von Josef Peitz. Vor der Pressekonferenz auf dem Bauernhof hat er sich zusammen mit Peter Paziorek, Staatssekretär im Bundeslandwirtschaftsministerium, Landrat Karl Schneider und Bürgermeister Bernd Halbe zeigen lassen, wie es im Wald aussieht oder dort, wo einmal Wald war. Dort liegt so viel Holz, dass Paziorek nicht über die Stapel sehen kann, obwohl er selbst zwei Meter in die Höhe ragt.

Paziorek, Uhlenberg: Touristen sollen trotzdem kommen.

Paziorek, Uhlenberg: Touristen sollen trotzdem kommen. foto|be

Aber: »Man sieht, dass es im Hochsauerlandkreis voran geht«, sagt der Minister. Das Holz wird abtransportiert. Bei den Mengen, die da bewegt werden müssen, war die Logistik das größte Problem. Es ist sogar noch mehr Holz zu bewegen, als anfangs vermutet: 15 bis 16 Millionen Festmeter statt der anfangs geschätzten 10 bis 11 Millionen. Das kostet viel Geld.

Die Landesregierung will bis zu 20 Millionen Euro aus eigenen Holzverkäufen zur Verfügung stellen und unbürokratische Hilfe bei der Wiederherstellung der Wege leisten, die zur Zeit durch die Holztransporte ruiniert werden. Wie groß die Schäden an der Infrastruktur sind, lasse sich zur Zeit nur schätzen – in Südwestfalen werden es einige 100 Millionen Euro sein. Noch immer ist man damit beschäftigt, die Schäden zusammen zu zählen. Wenn die Summe bundesweit drei Milliarden Euro erreicht, das sind 0,6 Prozent des Bruttoinlandsproduktes, kann Deutschland Geld aus dem EU-Solidaritätsfond erwarten. Bis dahin muss man sich, das heißt den Waldbauern, erst einmal selbst helfen.

Verbilligte Kredite der Landwirtschaftlichen Rentenbank sollen die Anschaffung von zusätzlichem Gerät und die Zwischenfinanzierung der Holztransporte ermöglichen. Auch steuerlich soll den Bauern geholfen werden.

Mit 16 Millionen Kubikmetern Bruchholz ist der von Kyrill verursachte Schaden weitaus geringer, als die 35 Millionen Kubikmeter, die Lothar 1999 in Baden-Württemberg geknickt hat. Die Stürme Vivian und Wibke haben es zuvor gar auf 75 Millionen Kubikmeter gebracht. Deshalb will man in Berlin auch nicht das Forstschadenausgleichsgesetz bemühen, mit dem sich Holzverkäufe in anderen Landesteilen einschränken und Steuererleichterungen am einfachsten verteilen lassen. »Wir gehen hier einen neuen Weg«, sagt Staatssekretär Paziorek. Mit Steuerstundungen, Rücklagenbildung und niedrigeren Vorauszahlungen sollen die örtlichen Finanzämter dafür sorgen, dass niemand an den Steuern auf die nun sprunghaft steigenden Einnahmen aus Holzverkäufen pleite geht.

Geldnot droht auch der Gastronomie. Auch die Einnahmeverluste durch ausbleibende Touristen wird man wohl in die Schadenssumme einrechnen müssen, die man nach Brüssel meldet. Minister Uhlenberg appelliert derweil an alle Feriengäste, ihren Aufenthalt im Sauerland nicht zu stornieren. Sie sollen aber bitte auch nicht ständig anrufen und sich nach den Wanderwegen erkundigen. Denn die vielen Anrufe, sagt Hausherr Josef Peitz, kosten Förster und Waldbauern die Zeit, die sie jetzt dringend brauchen, um im Wald aufzuräumen.

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