Der schnellste Weg in den Ruin

Bestwig/Dortmund/Meschede. »Wer eine Tauschbörse im Internet eröffnet, spielt das Spiel ›Wie ruiniere ich mich am schnellsten selbst‹ «, sagt Rechtsanwalt Dirk Wojciechowski-Witsch. Rund 100 Fälle von Urheberrechtsverletzung verfolgt er pro Jahr. Einer davon wurde am Dienstag in Meschede erledigt.

Ein 35-jähriger Familienvater aus Bestwig hatte im Internet eine Tauschbörse für Musik, Spiele und Filme eröffnet. Um solche Daten überhaupt von den Originaldatenträgern kopieren zu können, benötigt spezielle Kopierprogramme. »Game Jack« und »Audio Jack« sind solche Programme, sie kosten im Handel rund 25 Euro.

Der Bestwiger hatte diese Programme kostenlos zum Herunterladen auf seiner Homepage angeboten. Rechtsanwalt Wojciechowski-Witsch aus Dortmund erstattete im Auftrag des Herstellers Strafanzeige wegen Verletzung des Urheberrechts. Bei einer Hausdurchsuchung fand die Staatsanwaltschaft Arnsberg noch viel mehr: Computerspiele, Filme und Musik. Zur Anklage kam mit 87 Produkten nur »die Spitze eines Eisbergs«, wie Amtsrichter Kasim Özen sagt.

Özen stellte das Verfahren gegen Zahlung von 2 300 Euro ohne Hauptverhandlung ein. Ein Handel mit den Kopien konnte angesichts der großen Menge zwar nicht ausgeschlossen, aber auch nicht bewiesen werden.

»Was man zu Hause mit den legal gekauften Spielen, Filmen und Musik-CDs macht, interessiert die Hersteller nicht«, sagt Wojciechowski-Witsch. Gefährlich werde es aber, wenn man Kopien tauscht oder kauft – für Verkäufer und Käufer. Vor allem bei Ebay habe der Handel mit Raubkopien deutlich zugenommen. Viele Hersteller kaufen selbst die eigenen Produkte, um Software-Piraten auf die Spur zu kommen.

Wer erwischt wird, bekommt eine Schadenersatzklage. Auch der Mann aus Bestwig wird noch mehr zahlen müssen als die 2 300 Euro für die Einstellung seines Strafverfahrens. Viel Geld holen die Hersteller auf diese Weise nicht herein, denn meistens reichen die Privatvermögen nicht aus, um die Forderungen zu bedienen.

Der Tausch oder Kauf von Kopien scheint in vielen Privathaushalten den gesamten Medienbedarf zu decken, meint Wojciechowski-Witsch. Vor allem in Ost-Deutschland erfreue sich diese Art der Freizeitgestaltung wachsender Beliebtheit. »Jeden Tag ein neuer Film oder ein neues Spiel und die Kinder sind zufrieden.«

Auch wenn die Erwischten selten die gesamten Schadenersatzforderungen bezahlen können – die Forderung bleibt bestehen und ruiniert mitunter auf Jahre ihre Kreditwürdigkeit. Mit der konsequenten Verfolgung erreichen die Hersteller aber noch mehr: »Viele Tauschbörsen warnen davor, bestimmte Produkte anzubieten, weil bekannt ist, dass der Hersteller sofort Anzeige erstattet«, weiß Wojciechowski-Witsch.

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