
Meschede. Der Aperitif wird im Stehen eingenommen und immer in der linken Hand gehalten. Was macht man, wenn die andere Hand mit amuse gueule belegt ist und man dringend husten muss?
Eigentlich wollte Benimm-Referent Peter Winterhoff, dass die Appetithäppchen am Tisch serviert werden. Dann gibt es das Problem nicht. Glücklicherweise musste niemand der rund 20 Teilnehmern des Seminars »Stilvoll speisen« husten.
Die Oberstufenakademie der Benediktiner hatte zu dem Seminar am Freitagabend eingeladen. Für 35 Euro gab es ein Vier-Gänge-Menü und eine Unterweisung darin, wie man es »stilvoll« zu sich nimmt.
»Wir sind es gewohnt, stilvoll zu essen«, sagt Winterhoff, der auch schon Debütanten für den Wiener Opernball die rechte Art gelehrt hat. Vieles von dem, was aus Amerika zu uns komme und nur mit einer Gabel oder sogar ganz ohne Besteck verspeist werde, passe einfach nicht zu uns Europäern. Das Essen mit Stäbchen übrigens auch nicht: »Das ist eine fremde Kultur. Wir müssen das nicht können.« Bevor man sich in einem China-Restaurant daher mit dem ungewohnten Werkzeug ungeschickt anstelle, solle man lieber zu Gummiband und einem zusammengerollten Stück Papier greifen und die Stäbchen in eine Zange verwandeln.
Für das Menü im Hotel-Restaurant von Korff sind derlei Bastelarbeiten aber nicht erforderlich. Es gibt das gewohnte Besteck, nur in vielleicht ungewohnter Menge. Gehobene Komplikationen wie Hummerzange und Austerngabel bleiben den Debütanten an diesem Abend erspart.
Für Fingerfood gibt es nun mal kein Besteck. Das ist aber auch das Einzige, was man im Stehen verspeist.
Zum Speisen muss man aber erst einmal kommen. Solange die Gläser mit dem Aperitif nicht leer sind, gibt es nichts. »Was mache ich, wenn ich mich setzen möchte«, fragt eine Teilnehmerin, der der Campari-Cocktail wohl nicht vollkommen zusagt. »Austrinken oder Abstellen«, ist die Antwort. Dieser Anweisung folgen die meisten Teilnehmerinnen (die jungen Damen sind eindeutig in der Mehrheit) gern. Sie verbinden das Angenehme des Menüs für 35 Euro mit dem Nützlichen der Unterweisung.
»Ich denke, dass ich auch vorher nicht gegessen habe, wie ein Schwein«, sagt Moritz. Mit seiner Freundin Ina ist er in erster Linie wegen des Erlebnisses hier. Als Jugendlicher, meint er, sei man in feinen Restaurants schon mall etwas unsicher. »Und wenn man sich ungeschickt benimmt, heißt es gleich wieder: ›Ja, die Jugendlichen von heute.‹ «
»Damen lieben einen festen Händedruck«: Peter Winterhoff erklärt auch, wie man das macht, ohne die weibliche Hand zu verletzen.
Die Jugendlichen an diesem Abend lassen sich weder von vier Mal Besteck, noch von vier Gläsern verunsichern. Wasser, zwei Mal Weißwein und ein Mal Rotwein sind vorgesehen. »Und in welchem Glas wird das Bier serviert«, möchte ein junger Herr wissen. »In einem Silberbecher«, antwortet Winterhoff. Das plebejische Getränk solle in feinen Lokalen auf keinen Fall den vornehmen Rahmen sprengen.
Zwischen Grünem Salat mit Croutons, Kraftbrühe Celestine mit Streifen vom Kräuterpfannkuchen, Piemonteser Grappapoulet mit Gemüse, gefüllten Gnocchi und Salzkartoffeln und Roter Grütze mit karamellisiertem Vanilleeis ist viel Zeit für Fragen und Antworten. Essen ist dabei nicht das einzige Thema: Die richtige Begrüßung wird ebenso gelehrt, wie das korrekte Verhalten beim Vorstellungsgespräch oder die Frage, wie laut man lachen darf. Und das, so Winterhoff, soll man bei aller Etikette auf keinen Fall vergessen.
















