Meschede. »Ich glaube nicht, dass wir heute die Welt verändert haben, aber alles beginnt damit, dass man miteinander redet.« Das Fazit von Bülent Arslan ist nur eine Zwischenbilanz der ersten Integrationskonferenz des Hochsauerlandkreises. Es soll weitergehen.
Einen halben Samstag lang hatten sich rund 140 Vertreter und Vertreterinnen ausländischer Vereine und aus Politik, Verwaltung, Schulen und Kirchen Zeit genommen, um miteinander zu reden. Bülent Arslan, Leiter des IMAP-Instituts, Düsseldorf, und Mitglied im Integrationsbeirat NRW moderierte die Konferenz.
Zahlen, Daten, Fakten
17 640 ausländische Staatsangehörige leben im HSK. Das sind 6,4 Prozent der Einwohner.
Die Hauptherkunftsländer sind die Türkei, Serbien und Montenegro, Italien und Portugal.
Jährlich werden über 400 Personen eingebürgert. Diese Zahl ist sei Jahren relativ konstant, während die Einbürgerungszahlen in NRW seit 2001 um ein Drittel zurück gegangen sind.
Seit 1990 wurden im HSK 12 523 Spätaussiedler aufgenommen.
12,5 Prozent der betreuten Kinder in den Kindertageseinrichtungen haben einen Migrationshintergrund, weitere 8,5 Prozent eine ausländische Staatsangehörigkeit.
22,7 Prozent der ausländischen Schüler erlangten im Schuljahr 2004/2005 keinen Schulabschluss an allgemeinbildenden Schulen, in ganz NRW sind es 13.9 Prozent.
Von Arbeitslosigkeit sind die Zuwanderer im Verhältnis zum Durchschnitt der Arbeitslosen stärker betroffen, die Arbeitslosenquote unter ihnen liegt bei rund 26 Prozent.
»Eine gleichberechtigte Teilhabe in allen gesellschaftlichen Bereichen« wünscht sich Kreisdirektor Winfried Stork. Doch davon, was Integration ist, haben Deutsche und Zuwanderer unterschiedliche Auffassungen, wie Arslan weiß. Für die Deutschen bedeute es, dass die Ausländer »nur noch durch das Ü im Namen erkennbar« sein sollen. Für die Zuwanderer bedeute Integration auch, Wahrung ihrer kulturellen Identität. Dabei, so Arslan, denken die meisten an die kulturellen Wurzeln, die sie vor 30 oder 40 Jahren mit gebracht haben. »Das funktioniert nicht.«
Drei Handlungsfelder hat Arslan auf dem Weg zur Integration ausgemacht: Arbeitslosigkeit und Bildung, den privaten Austausch – Folklore reicht nicht – und eine gemeinsame Identität.
»Wie kann ich mich als Muslim mit diesem Staat identifizieren, wenn allein in NRW zur Zeit sechs Lehrerinnen wegen Tragen des Kopftuchs disziplinarisch belangt werden«, fragte eine Konferenzteilnehmer. Seitdem das Bild ihrer Religion wesentlich von Nachrichten über Fundamentalismus und Terror geprägt wird, werden die Muslime mit einem zunehmenden Misstrauen konfrontiert.
In den ersten beiden Arbeitsgruppen am Vormittag trugen Zuwanderer und Deutsche noch getrennt zusammen, wo es mit der Integration schon ganz gut klappt und wo nicht. Auffällig viel sah man in beiden Arbeitsgruppen gleich. Auffällig war aber auch, dass offenbar nur die Zuwanderer bemerken, wo sie überall benachteiligt werden.
Dabei wurde auch klar, dass es »die Zuwanderer« gar nicht gibt. Yasar Top von der Neuen Moschee, Bestwig, bemängelte, dass die Spätaussiedler ständig mit Sprachkursen und anderen Integrationshilfen bevorzugt werden. Der Beitrag der Türken zum gemeinsamen Wohlstand werde nicht geschätzt, obwohl sie schon viel länger hier leben. In der Mittagspause – das kalte Buffett hatten türkische und portugiesische Frauen zubereitet – zeigte sich Hüseyin Yavuz, DITIP Meschede e.V., von den Christen enttäuscht: »Wir laden ständig in die Moschee ein, aber eine Gegeneinladung in die Kirche hat es bis jetzt noch nie gegeben.«
Drei weitere Arbeitsgruppen trugen nach der Mittagspause zusammen, mit welchen konkreten Maßnahmen in den Bereichen Schule und Bildung, Wirtschaft, Arbeit, Qualifikation und Sport, Kultur und Religion die Integration verbessert werden kann. In den kommenden Monaten werden die Konferenzteilnehmer in kleinen Arbeitsgruppen weiter an diesen Vorschlägen arbeiten und einen konkreten Handlungskatalog zusammen stellen. Eine zweite Integrationskonferenz soll noch in diesem Jahr abschließend über diese Maßnahmen beraten und konkrete Handlungsanweisungen an die Kreisverwaltung beschließen.
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