Fortbildung statt Demonstration

Glaubt noch jemand an den Nikolaus?Meschede. »Das ist eine reine Werbeveranstaltung für die Kassenärztliche Vereinigung«, sagte einer der Teilnehmer der Ärztefortbildung im Kreishaus. »Die haben erst vor einem halben Jahr durch unseren Druck gelernt, dass sie etwas tun müssen.«

Ärzte aus dem gesamten Hochsauerlandkreis kamen gestern zu einer zentralen Fortbildungsveranstaltung in das Mescheder Kreishaus. Eingeladen hatte die Ärztekammer Westfalen-Lippe, der Hartmannbund, die Ärztegenossenschaft Westfalen-Lippe und die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe.

Ursprünglich hatten die Ärzte wohl geplant den ersten Tag ihres dreitägigen Streiks im Sauerland mit einem Protestmarsch durch Meschede zu beginnen. Aber diese Überlegung war wenige Stunden nach der Anmeldung der Demonstration schon wieder überwunden. Schließlich demonstrieren Ärzte ständig irgendwo, und dass die Gesundheitsreform viele krank macht, hat sich längst herumgesprochen.

Im Kreishaus ging es gestern um die Auswirkungen des Wettbewerbsstärkungsgesetzes und Chancen und Risiken des Vertragsarztrechtsänderungsgesetzes. Beide Gesetze sollen im kommenden Jahr in Kraft treten. Deren Auswirkungen sind in allen Einzelheiten wahrscheinlich nur niedergelassenen Ärzten geläufig. Deshalb bringen sie das Problem auch am schnellsten auf den Punkt: Den Ärzten wird die wirtschaftliche und fachliche Grundlage ihres Berufes immer weiter entzogen. Bei 43 Euro, die die Krankenkassen pro Quartal und Patient erlauben, müssen sie bereits jetzt Hausbesuche und Heilmittel oft aus eigener Tasche bezahlen. Auf dem Land wird es daher immer weniger von ihnen geben.

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