Meschede lässt fragen: Wie gefällt’s denn so?

Passantenbefragung in MeschedeMeschede. »Davon habe ich schon in der Zeitung gelesen.« Das hörten die rund 30 Studenten der Universität Münster gestern öfter. Sie waren in der Mescheder Innenstadt ausgeschwärmt, um Passanten zu fragen, warum sie hier sind und wie es ihnen so gefällt.

Ein Porzellan-Geschäft fehlt

Ein Porzellan-Geschäft fehlt: Viele Einzelhändler haben in den vergangenen Jahren dicht gemacht. foto|be

»Manche standen sogar Schlange, um die Fragen zu beantworten«, berichtete einer der Geographie-Studenten. Andere hatten weniger Glück: »Solche Umfragen habe ich in Münster schon bei Regen, Sturm und brütender Hitze gemacht, aber so viele Menschen wie hier haben dort nie gesagt, sie hätten keine Zeit.« Vielleicht lag es am Standort; an Ruhrbrücke, Bahnunterführung und Kaiser-Otto-Platz lief es gut, am Winziger Platz und in der Von-Stephan-Straße weniger. Macht aber nichts, denn heute ist auch noch ein Tag und in der kommenden Woche werden die Studenten wieder an zwei Tagen unterwegs sein.

Die ersten Antworten gestern waren durchwachsen: Das Einzelhandelsangebot fanden die Befragten mal gut, mal schlecht, mal war es eigentlich egal, denn sie meinten, es bleibe ihnen ja nichts anderes übrig, als in Meschede einzukaufen. Nicht wenige konnten auch jedes einzelne Geschäft aufzählen, das in den vergangenen Jahren aufgegeben wurde; ein Porzellan-Geschäft wird offenbar schmerzlich vermisst.

Ein Segen, dass es Karstadt gibt

»Ein Segen, dass es Karstadt gibt«: Modegeschäfte sind anziehend. foto|be

  • Wie können Kleinstädte verlorene Kaufkraft zurück gewinnen? So lautet die Fragestellung der Diplomarbeit von Sven Schulte, in die auch die Erkenntnisse der Befragungen in Meschede einfließen werden.
  • Neben der Passantenbefragung wird es in den nächsten Tagen auch eine repräsentative schriftliche Befragung Mescheder Haushalte geben.
  • Ziel der Befragungen ist es, Defizite beim Einzelhandelsangebot, beim öffentlichen Personennahverkehr und der Einkaufsatmosphäre in Meschede aufzudecken.
  • Die Erkenntnisse aus dieser Befragung sollen das GMA-Einzelhandelsgutachten ergänzen, in dem aus Kostengründen auf eine Umfrage verzichtet worden war.
  • Der Anstoß für die Umfrage ging von »Meschede Aktiv« aus. Nach Möglichkeit, soll sie regelmäßig wiederholt werden.

Mehr Mode war auch ein häufig geäußerter Wunsch. »Modegeschäfte sind das, was die Menschen anzieht«, sagt Krajewski, es sei für Meschede ein Segen, dass es Karstadt gebe. Und H & M, das vor allem junge Leute gerne in der Stadt hätten, wäre auch schön. Aber, so Krajewski, solche Läden eröffnen eben nicht in Gegenden mit weniger als 80 000 potentiellen Käufern. Dafür muss man dann nach Dortmund fahren – der Albtraum für Stadtmarketing und örtlichen Einzelhandel.

»Es stimmt, dass die Menschen zum Shoppen lieber in die Oberzentren fahren, als in die nächste Kleinstadt.« Das weiß Krajewski aus vielen Studien in Kleinstädten. Diesen Trend umzukehren sei schwierig. Am Einkauf in der nächstgelegenen Großstadt schätzen die mobilen Kunden vor allem den Event-Charakter – da ist einfach mehr zu sehen. Insofern sei der Kurs der Stadt Meschede genau richtig: Mehr attraktive Veranstaltungen in der Innenstadt locken auch mehr Kunden an. Parkplätze sind auch ein Thema: »Niemand beschwert sich, dass man in Dortmund dafür bezahlen muss, hier wollen die Leute es umsonst haben. Damit könnte man auch etwas erreichen.«

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