Vorsorgender Gesundheitsschutz und Verursacherprinzip
PFOS, die wichtigste und gefährlichste Substanz in der Gruppe der perfluorierten Tenside (PFTs), wird künftig europaweit verboten, berichtet Peter Liese MdEP.
Das Europäische Parlament hat heute eine entsprechende EU-Richtlinie verabschiedet. Über das Dossier war zuvor eine Einigung mit dem Ministerrat erzielt worden, so dass die Richtlinie in Kürze in Kraft treten kann. PFOS reichert sich in der Umwelt und im menschlichen Körper an. Tierversuche haben ergeben, dass die Substanz bei hohen Konzentrationen krebserregend und erbgutschädigend ist. Bei Arbeitnehmern, die direkten Umgang mit dem Stoff hatten, konnten Gesundheitsschädigungen nachgewiesen werden.
PFT ist besonders in Südwestfalen in die Schlagzeilen geraten, weil es kürzlich in erheblichen Konzentrationen in Rhein, Ruhr und Möhne nachgewiesen wurde. In der Stadt Arnsberg hatte man zeitweilig empfohlen, das Trinkwasser nicht an Säuglinge zu verabreichen und stattdessen abgepacktes Wasser zu verwenden. Mittlerweile haben die Wasserwerke vor Ort Investitionen in Millionenhöhe zur Beseitigung von PFT aus dem Trinkwasser getätigt. Ursache der Schadstoffkonzentration ist ein sogenanntes Bioabfallgemisch, das auf Feldern in der Umgebung ausgebracht wurde. Dabei wurde rund 400 Kilogramm reines PFT versprüht. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen eine Firma aus Borchen bei Paderborn, die den Landwirten rund zehn Euro je Tonne ›Bodenhilfsstoff‹ gezahlt hatte.
Probleme in Südwestfalen fanden Eingang in europäische Debatte
Der aktuelle Skandal war für das Europäische Parlament Anlass, den vorliegenden Verbotsvorschlag der Europäischen Kommission erheblich zu verschärfen. Ursprünglich sollten nur die Anwendungen verboten werden, auf welche die Industrie ohnehin schon verzichtet hat. Die Einigung zwischen Parlament und Rat sieht nun vor, dass PFT schon ab einer Konzentration von 0,005 Gewichtsprozent verboten wird. Die Kommission hatte 0,1 Prozent vorgeschlagen. Dazu wird das Verbot auch auf Feuerlöschmittel und dekorative Verchromung ausgeweitet.
»Das Verbot der PFT-Gruppe stärkt den vorsorgenden Gesundheitsschutz. Zwar besteht kein Anlass zur Panik, aber da sich der Stoff im menschlichen Körper und in der Umwelt nicht abbaut, muss man die Verunreinigung an der Quelle bekämpfen. Die Schäden rechtfertigen das Verbot auch unter wirtschaftlichen Aspekten. Die Ereignisse an Möhne und Ruhr haben mich motiviert, in dieser Sache engagiert zu kämpfen. Aus Gründen der Wettbewerbsfähigkeit und weil die Ursache im konkreten Fall im Ausland liegt, ist es richtig, dass wir dieses Problem europaweit angehen.«
Peter Liese, Mitglied im Umwelt- und Gesundheitsausschusses des Europaparlaments
Schlagworte: Arbeit, Arnsberg, Bracht, Brüssel, Europa, HSK, Meschede, PFT, PM, Wirtschaft
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Der Artikel enthält einige Ungenauigkeiten:
Die bei uns im Wasser und Boden gefundenen Giftstoffe (zusammengefasst als PFT bezeichnet) sind Perfluoroktansulfonsäure (PFOS) und Perfluoroktansäure (PFOA). Für PFOS wurde mit vielen Ausnahmen ein schrittweises Verbot erlassen! Der allerdings häufiger vorkommende und genauso problematische Giftstoff PFOA wurde nicht verboten.Näheres dazu findet sich unter
Es mag sein das die eingeleiteten Verbote ein Schritt in die richtige Richtung ist, doch für das Problem vor Ort bringt es zunächst mal nicht viel.
Desweiteren stellt sich mir die Frage wie die Kontrolle solcher Verbote in einer globalen Welt eigentlich eingehalten werden sollen, wenn es in unserem Lande offensichtlich nicht einmal möglich ist die Bodenmischwerke und Bioanlagen vernünftig zu kontrollieren.Grüße
Matthias Schulte- Huermann
http://www.sbl-fraktion.de
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