»Langweilig war es hier nie«

Föckinghausen. »Wenn ihr in Föckinghausen aufhören wollt, haben wir genug Arbeit für euch«, hieß es von der Ordensleitung. Am Samstag verlassen Schwester Maria Monika Trepmann und Schwester Maria Reinhilde Bodden die Ferienstätte Föckinghausen.

Schwester Maria Monika Trepmann (l.) und Schwester Maria Reinhilde Bodden

»Das Bild machen wir am besten vor meinem Baum. Den habe ich selbst geklaut«, sagt Schwester Maria Reinhilde (rechts). Mitschwester Maria Monika weiß: Im Sauerland darf man das. foto|be
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»Man muss den Weg frei machen für junge Leute«, meint Maria Monika. Nach 17 Jahren als Leiterin der Ferienstätte geht die 66-Jährige in der nächsten Woche in eine Gemeinde nach Bottrop-Grafenwald um eine jüngere Mitschwester bei der Gemeindearbeit zu unterstützen. »Ich freue mich darauf. Da kann ich mich um Kinder, Erwachsene und kranke Leute kümmern; Pfarrer haben dafür heute keine Zeit mehr.« Zeit zu haben für die Menschen, denen man begegnet, sei enorm wichtig. In Föckinghausen hat ihr das immer die größte Freude bereitet.

Dabei wusste sie erst gar nicht, was sie dort sollte, wie sie zugibt. Zuvor hatte sie sich 15 Jahre lang um Jugendliche im Bergkloster gekümmert. Der Orden schickte sie zu einer Heimleiter-Ausbildung nach Freiburg, bevor sie die neue Stelle antrat. Dort sei sie in die Aufgabe hineingewachsen. »Es hat mir immer gut getan, wenn ich jemandem helfen konnte, der litt«, sagt sie.

Maria Reinhilde war schon 13 Jahre lang da, als Maria Monika kam. Am Samstag wird auch sie Abschied von Föckinghausen nehmen. Sie ist jetzt 71 Jahre alt und wird künftig die 700 Kinder eines Gymnasiums in Kassel bekochen. Kochen, Waschen, Putzen – das war dann 30 Jahre lang ihre Arbeit in der Ferienstätte. Seit kurzem hat sie eine künstliche Hüfte und muss eigentlich noch Gehhilfen benutzen, aber die stehen meistens in der Ecke. Auch zwei Tage vor ihrem Abschied werkelt sie in der Waschküche. Viel Zeit für ein Gespräch hat sie nicht, denn gleich kommt noch der Metzger und richtig geputzt ist auch noch nicht. Zwar muss sie sich darum nicht alleine kümmern, aber als Chefin der Hauswirtschaft sitzt man eben nicht herum.

»Langweilig war es hier nie«, sagt sie. Rund 24 000 Übernachtungen pro Jahr gab es in dem Haus, das Maria Monika nicht als »Heim« bezeichnen möchte, in den vergangenen 16 Jahren. Das Wort »Heim«, klinge so nach armen Kindern, meint sie. Von Schulklassen bis zu Seniorengruppen war jede Altersgruppe vertreten. Die meisten Gäste kommen über die Caritas in Gelsenkirchen nach Föckinghausen und bringen Freud und Leid mit. Zwei Todesfälle hat Maria Reinhilde erlebt, ein Selbstmord konnte in Maria Monikas Zeit verhindert werden. Es gab Senioren, die sich über lärmende Kindergruppen beschwerten, mäkelige Gäste, die im nächsten Jahr dann doch wieder kommen wollten und stürmische Leidenschaft bei einem 90-jährigen Liebespaar. Es gab auch Sommergäste, die alles klauten, was sie gebrauchen konnten und gerade erst hat eine Gruppe schlecht betreuter Jugendlicher vor Langeweile reichlich Sachschaden verursacht. »Aber die gehen ja auch wieder«, meint Maria Monika.

Viele Gäste seien Freunde geworden und vielen haben die Schwestern mit Sach- und Geldspenden helfen können. Die Spenden haben sie selbst von »Wohltätern« bekommen, von denen sie viele hatten. Zu denen gehört auch die Nachbarschaft in Föckinghausen. Die werden die beiden wohl am meisten vermissen. Türen konnten nachts offen bleiben, ohne dass etwas passierte, und die Kinder der Nachbarn haben die Schwester aufwachsen sehen. Über die vielen Erlebnisse könnte man ein Buch schreiben, meint Maria Monika, aber das kostet Zeit, die man dann für andere Menschen nicht hat.

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