Unwetter: »Wir brauchten sofort alle Kräfte«

Meschede. Für eine kleinere Alarmierung war am Sonntagabend keine Zeit mehr: »Wir brauchten sofort alle Kräfte«, sagt Martin Hennecke von der Feuerwehr-Leitstelle in Meschede. Gegen 21.30 rückten 140 Feuerwehrleute zu 105 Einsätzen im Stadtgebiet aus. Die L914 bei Mülsborn und die L915 im Nierbachtal waren auch am Morgen danach noch gesperrt.

Schlamm im Keller der Caller Schützenhalle

Es war eine lange Nacht: Kellerbar in der Caller Schützenhalle. foto|be

Unterstützt wurden die Feuerwehrleute von 33 Helfern des Technischen Hilfswerks aus Meschede und Arnsberg und vom Deutschen Roten Kreuz, das die Versorgung der Einsatzkräfte übernahm. Vielerorts waren es jedoch die Bürger selbst, die mit Schaufeln und Schleppern zuerst ausrückten, um Straßen wieder befahrbar zu machen und verstopfte Rohre und Brücken freizuräumen.

»In Wehrstapel ist die Schützenstraße komplett abgesoffen«, berichtet Ulrich Eickelmann. Der Berkelbach führte plötzlich sehr viel mehr Wasser als die rund 80 Zentimeter breiten Rohre unter Straßen und Wegen verkraften konnten. Schnell waren die entscheidenden Stellen mit Ästen, Geröll und Schlamm verstopft und das Wasser bahnte sich seinen Weg über Böschungen und Wiesen in Keller und Wohnungen. Bei einem Haus wurde sogar die Bodenplatte vom Wasser angehoben und zerrissen. Auf den Besitzer eines anderen Hauses wartet bei der Rückkehr aus dem Urlaub eine böse Überraschung: Wasser und Schlamm liefen durch die Wohnung, die Nachbarn brachen eine Tür auf und retteten, was noch zu retten war.

Eine Flutwelle von knapp einem Meter setzte auch die Ortsmitte von Calle unter Wasser. »Innerhalb von zwei Minuten kam die Welle«, sagt Friedel Hesse. Er hatte nur aus dem Fenster gesehen hatte, weil seine Satellitenschüssel wegen des Regens keinen Fernsehempfang mehr lieferte. Statt der Straße vor seinem Haus, sah er einen See. Die Kraft des Wassers hat am Caller Bach sogar Teile aus einer kleinen Fußgängerbrücke gerissen.

Schlimmer noch trifft es die Caller Schützen: Der Keller der Schützenhalle stand rund 1,70 Meter hoch unter Wasser – auf Tischen und Tresen liegt nun der Schlamm.

In Mülsborn war am Morgen danach noch die L914 gesperrt. Auch hier hatten sich Wasser und Schlamm von einem Abhang den Weg durch ein Haus gebahnt: »Vier Frösche haben wir gerettet«, sagt der Besitzer, der mit den Nachbarn am Montagmorgen den Schlamm wegschaufelt.

Ursache des Unwetters war nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes in Essen eine Gewitterfront, die sich ab 19 Uhr vom Siegerland aus nordwärts bewegte.

In Dillenburg wurden 103 Liter pro Quadratmeter gemessen, in Schmallenberg 68 Liter und in Eslohe 62 Liter pro Quadratmeter.
Einigermaßen trocken blieb es in Brilon mit einem Liter und auf dem Kahlen Asten mit 5 Litern pro Quadratmeter.

Im St. Walburga-Krankenhaus waren die Fahrstuhlschächte Vollgelaufen, doch hielt sich der Schaden in Grenzen. Am Vormittag liefen drei von vier Liften bereits wieder. Brenzlig wurde es im Technikhaus: Im Keller unter der Notstromversorgung stand das Wasser 50 Zentimeter hoch. Klaus Schmitz, technischer Leiter des Krankenhauses, ließ den Keller rechtzeitig von der Feuerwehr leer pumpen, bevor das Wasser die Hochspannungskabel erreichte. Schmitz will nun eine automatische Pumpe einbauen, die den Keller künftig schützen soll.

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