Wehrstapel. Ein Jahr lang haben die 14 Vereine die 675-Jahr-Feier ihres Dorfes vorbereitet. Am Samstag konnte endlich – und zum ersten Mal – gefeiert werden. Ein zweistündige Revue historischer Ereignisse aus der Dorfgeschichte bildete den Kern der Feier.
Die Oberen von den anderen Dörfern waren auch gekommen. Ferdi Lenze (rechts, hinter dem Bart) führte als Herold durch das Programm. foto|be
Am weitesten ist wohl Ortsvorsteher Ferdi Lenze gegangen, um das historische Ereignis auch historisch aussehen zu lassen: Im Kostüm eines Herolds aus dem 16. Jahrhundert war er die bunteste Erscheinung des Festes. Das Kostüm war aus dem Fundus einer Freilichtbühne geliehen, der grau-rote Vollbart war echt. Auch die Darsteller der Eversberger Ratsherren hatten sich mit Baretten und Talaren einen sehr würdiges Äußeres gegeben. »Könnte man im Mescheder Rat auch mal wieder einführen«, meinte Uli Hess, »das würde da wenigstens ein bisschen Kultur zurückbringen.«
Auf Grußworte hatten die Organisatoren verzichtet (»Was soll einem da auch immer einfallen?«) und so war zwischen Fassanstich um 14 Uhr und dem Beginn der Revue um 16 Uhr bei Bratwurst, Waffeln, Bier und Dosenwerfen viel Zeit für das, wofür so ein Fest in erster Linie gut ist: mit den Nachbarn reden und sich freuen, dass sie alle gekommen sind.
Bis auf den letzten Platz war die Wehrstapeler Schützenhalle besetzt als die Dorfgeschichte inszeniert wurde. foto|be
Gekommen waren auch die Eversberger, die mit ihrer Musikkapelle unter der Leitung ihres Schützenkönigs Gregor Wagner für Stimmung sorgten.
Die Zerstörung des Gutes Wedestapel am 29. September 1331 durch Raubritter brachte Wehrstapel die erste urkundliche Erwähnung. Nach dem Überfall wollte kein Bauer mehr auf dem Gut wirtschaften, weshalb der Mescheder Probst froh war, es an die Eversberger verpachten zu können. Das war der Beginn einer amüsanten Feindschaft, deren Inszenierung in sieben Bildern das Publikum in der bis auf den letzten Platz gefüllten Schützenhalle folgte.
Schlussakt mit handgeklöppelter Lyrik: Nach zwei Stunden Geschichte war die Halle immer noch voll – die Bühne auch. foto|be
Eine Modenschau mit Haute Couture für den Arbeiter des 19. Jahrhunderts erinnerte man an die Eickhoffs Tuchfabrik, die 1868 gegründet wurde und vielen Wehrstapelern und Heinrichsthalern Lohn und Brot gab – wenn auch wenig. Während oben auf dem Berg alles agrarisch blieb, tobte unten im Tal die Industriealisierung: Arbeiten für Kaiser, Vaterland – »und Busches Ernst«. Vom Lohn blieb zwar nicht viel »überig«, aber das Selbstbewusstsein wuchs trotzdem. Nach 600 Jahren sonntäglichen Fußmarsches zur Kirche nach Eversberg bekam das Tal 1900 endlich eine eigene Kapelle – wenn auch mit Eversberger Pastor.
Dass es in Eversberg, »der Stadt, die auf dem Berge liegt«, nach Wehrstapeler Sicht »hauptsächlich Kuhscheiße« gibt, konnte den Eversberger Dorfschulzen Willi Raulff indessen nicht aus der Fassung zu bringen. Auf Nachrage der WR erklärte er: »Das lassen wir so.«
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