Meschede. Weil sie ihre Schulden nicht bezahlen konnte, musste sie eine Scheinehe eingehen. Wegen Verstoßes gegen das Ausländerrecht musste sich ein Jugoslawe gestern vor dem Mescheder Amtsgericht verantworten.
Unter Tränen erzählte die Zeugin ihre Geschichte vor Gericht. Sie sei jahrelang gezwungen worden, als Prostituierte zu arbeiten. Ihr Zuhälter habe dafür gesorgt, dass sie Schulden bei ihm machte und nie zurückzahlen konnte, rund 10 000 Euro seien es zuletzt gewesen. Dann habe der Zuhälter ihr angeboten, ihre Schulden durch eine Ehe mit seinem Cousin abzuzahlen, für den so eine Aufenthaltsgenehmigung in Deutschland zustande kommen sollte.
Sie heirateten 1997 in Bochum – kurz und schmerzlos – und sahen sich danach nie wieder. Zur Prostitution wurde die Frau aber weiterhin gezwungen. Dann lernte sie ihren jetzigen Freund kennen. Der half ihr beim Ausstieg und ermutigte sie, reinen Tisch zu machen. 2003 einigten sich die Beteiligten auf eine einvernehmliche Scheidung vor einem jugoslawischen Gericht, bei dem ein persönliches Erscheinen nicht nötig war.
Die Zeugin hat den Ausstieg aus der Prostitution inzwischen geschafft und führt ein normales Leben. Der – mutmaßliche – Zuhälter muss sich in Arnsberg vor Gericht verantworten. Sein Cousin, der mittlerweile seit zehn Jahren in Deutschland lebt, hatte Glück. Richter Özen stellte das Verfahren gegen ihn gegen Zahlung einer Geldbuße von 1500 Euro ein.
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