Berghausen. »Hier ist schon seit Jahren niemand mehr ertrunken«, sagt Aart Keijmel. Bundesweit mag die Zahl der tödlichen Badeunfälle steigen, aber am Hennesee sind die Leute in der Regel vernünftig – jedenfalls solange sie nüchtern sind.
Innerhalb von zwei Minuten können die Besatzungen der beiden DLRG-Wachen in der Berghauser Bucht und in Mielinghausen jeden Punkt des Hennesees erreichen. 30 Knoten, etwa 55 Kilometer pro Stunde, schaffen die beiden Motorboote, wenn es sein muss. Oft ist das aber nicht der Fall.
Die meisten Einsätze der Rettungsschwimmer sind eher unspektakulär: Bienenstiche, Zecken, Nasenbluten, kleine Schnittwunden. Das alles wird samstags und sonntags ebenso kostenlos wie kompetent von den ehrenamtlichen Lebensrettern versorgt. »Im vergangenen Jahr hatten wir an einem Tag einen Rekord von 47 Bienenstichen«, erinnert sich Karl-Josef Wälter. Einer der Patienten erlitt dabei einen allergischen Schock und wurde ein Fall für den Notarzt.
»Die meisten retten wir durch unseren Schwimmunterricht vor dem Ertrinken«, sagt Wälter. Wer schon als Kind im Schwimmbad gelernt hat, sich im Wasser zu bewegen, weiß auch in einem See, seine Kräfte richtig einzuschätzen – so wie ein Badegast am vergangenen Wochenende. Der war von der Berghauser Bucht aus ans andere Ufer geschwommen. Dort angekommen, wollte er sich die Strecke wohl nicht noch einmal zumuten und machte sich zu Fuß auf den Rückweg – allerdings in die falsche Richtung. Den Hauptdamm konnte der Ortsfremde von seinem Standort aus nicht sehen.
Karl-Josef Wälter und Anja Schulte. Sie ist die erste Wachdienstleiterin in der 74-jährigen Geschichte der DLRG Meschede. foto|be
Er lief Richtung Mielinghausen und wurde bald von seiner Familie als vermisst gemeldet. Die DLRG-Wache wurde alarmiert, fand ihn aber nicht. Schließlich entdeckte ihn die Polizei, die sich mit einem Streifenwagen auf die Suche gemacht hatte, und brachte ihn zurück.
Am Samstagnachmittag sorgt ein Gewitter für ein vorzeitiges Ende des Badevergnügens. Obwohl sich die meisten Badegäste schnell in Sicherheit bringen, bleibt die Wache besetzt. Es könnte ja sein, dass es noch ein paar Unfernünftige gibt.
»Da passiert heute noch was«, sagt Wälter mit Blick auf sieben feuchtfröhliche Männer, die sich auch durch Blitz, Donner und Regen nicht davon abhalten lassen, auf einer der Badeinseln herumzualbern.
Nach dem Wachdienst steht eigentlich Grillen auf dem Programm der DLRG. Doch es kommt, wie es kommen musste: Betrunken geht ein Schwimmer unter. Ein Begleiter zieht ihn aus dem Wasser und ist froh, dass die Rettungsschwimmer nüchtern sind. Sie kümmern sich um den Halbertrunkenen und alarmieren den Rettungswagen. Schnitzel und Bratwurst verbrutzeln auf dem Grill.
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