Freienohl. So mancher Verein stöbert gern in alten Akten herum. Auch die Imker von Freienohl haben das gemacht. Rein zufällig ist dabei heraus gekommen, dass der Verein schon 90 Jahre alt ist. Viel Lärm machen sie darum nicht. Nur die Bienen hatten in diesem Jahr Stress – aber nicht wegen des Jubiläums.
Das alte Protokollbuch des Imkervereins Freienohl-Oeventrop weist für den Juli 1916 18 Bienenzüchter mit insgesamt 107 Völkern aus. Bis November 1921 halfen sich die Imker in wirtschaftlich schwerer Zeit mit Rat, Tat und der Beschaffung von Zucker für die Winterfütterung. Dann teilte sich der Verein auf. Der Freienohler Verein hat heute 13 Mitglieder. Der erste Vorsitzende, Markus Malize, hatte im Alter von fünf Jahren das erste Mal Ärger wegen der Bienen.
In einem Winter vor 34 Jahren hat er die Fluglöcher an den Bienenstöcken seines Vaters zugestopft. Das hielten weder die Bienen noch sein Vater für eine gute Idee. Seit dem hat der Sohn das Hobby des Vater übernommen. Mindestens einmal im Jahr macht er einen Lehrgang bei der Landwirtschaftskammer in Münster. Mittlerweile ist er – ganz amtlich – Bienen- und Honigsachverständiger.
»Das muss klingen wie eine Flugzeugturbine beim Warmlaufen«, sagt Malize an den Bienenstöcken hinter dem Haus. Sie hatten einen verspäteten Start: erst war es zu trocken, dann zu kalt. Nach dem Wetterumschwung kamen Pollen und Nektar überall gleichzeitig zum Vorschein. Nun steht den Imkern im Altkreis Meschede eine Honigschwemme bevor. Und das obwohl der Raps als Honigquelle in diesem Jahr komplett ausgefallen ist.
Im Kreis Olpe ist das offenbar anders, berichtet Malize. Dort machen die Bienen noch andere Geräusche und die Imker machen lange Gesichter. Aber so ist das eben: Das Leben der Bienen ist regional sehr unterschiedlich. Das betrifft nicht nur die Honigernte, sondern auch ihre Krankheiten. Während andernorts vom großen Bienensterben gesprochen wird, ist der Schaden bei uns überschaubar. Die Milben, die die Bienenvölker befallen, werden aber immer ein Thema bleiben, meint Malize. »Milben sind einfach anpassungsfähiger als Imker.«
Muss man ein besonderer Mensch sein, um Imker zu werden? »Nein«, meint Malize. »In unserem Verein ist vom Lehrer bis zum Automechaniker alles dabei.« Nur der Imker-Nachwuchs fehlt. Das mag auch daran liegen, dass der Anfang teuer ist. Ein Volk kostet 155 Euro, eine Behausung dafür gibt es ab 75 Euro. Weiter geht es mit vielen kleinen und großen Anschaffungen – Imker können ständig shoppen. Nur der Tabak für die Imkerpfeife ist mit 5,70 Euro pro Kilo recht günstig. Dafür riecht er aber auch wie Bahndamm-Schattenseite.
Ein großes Fest werden die 13 Freienohler Imker wohl nicht feiern. Den Bienen wird es recht sein, denn sie mögen keinen Alkohol. »Wenn man in einer Gruppe vor einem Bienenstock steht, finden die Tiere zielsicher den einen Menschen mit einer Bierfahne heraus und stechen zu«, sagt Malize. »Es sind eben alles Frauen.«
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