Brüssel/Meschede. Der südwestfälische Europaabgeordnete und Arzt Dr. Peter Liese hat sich für ein europaweites Verbot von perfluorierten organischen Tensiden (PFT) ausgesprochen. Eine Abstimmung über einen entsprechenden Antrag wird nach seinen Informationen schon in zweieinhalb Wochen im Umweltausschuss des Europäischen Parlamentes stattfinden.
PFT war in den letzten Tagen vor allen Dingen in Südwestfalen in die Schlagzeilen geraten, da in der Möhne und in der Ruhr eine deutlich erhöhte Belastung festgestellt worden war. Die Stoffgruppe ist in hohen Konzentrationen bei Tieren krebserregend und erbgutschädigend. Ob auch eine Gesundheitsgefährdung für den Menschen besteht, ist zwar noch nicht erwiesen, aber auch keinesfalls auszuschließen. Daher haben das Kreisgesundheitsamt des Hochsauerlandkreises (HSK) und die anderen zuständigen Behörden Eltern im Raum Neheim-Hüsten, wo das Trinkwasser direkt aus der Möhne gewonnen wird, empfohlen bei Zubereitung von Babynahrung nicht auf das Trinkwasser zurückzugreifen. Die entsprechenden Empfehlungen wurden von der bundesweit zuständigen Trinkwasserkommission am Mittwoch in Berlin bestätigt.
»Es besteht kein Anlass zur Panik, es gibt keine akute Gefahr, aber es gibt den dringenden Grund energisch zu handeln und das Problem an der Wurzel zu packen. Auf Dauer muss unser Trinkwasser so sauber sein, dass man auch Säuglingen unbedenklich damit Nahrung zubereiten kann.«, so Peter Liese, der vor seiner Wahl ins Europäische Parlament in der Kinderklinik Paderborn gearbeitet hat.
Handeln der Behörden in Südwestfalen vorbildlich
Das Handeln der Behörden, zum Beispiel der zuständigen Kreisverwaltung und des Landesumweltministeriums, sieht Peter Liese als vorbildlich an, da unmittelbar nach Bekanntgabe der erhöhten PFT-Werte, die notwendigen Maßnahmen eingeleitet worden seien.
Peter Liese weißt auf das mögliche größere Ausmaß des Problems hin: »Ich bin davon überzeugt, dass PFT kein lokal begrenztes Problem für Südwestfalen oder für Nordrhein-Westfalen ist, sondern ein mindestens deutschlandweites, wenn nicht sogar europaweites Problem darstellt. Bei uns in Nordrhein-Westfalen hat man nur besonders genau hingesehen. Nach meiner Einschätzung wird in den nächsten Tagen und Wochen PFT auch in anderen Bundesländern und anderen europäischen Staaten zum Thema werden«, so Liese.
Dass PFT möglicherweise gesundheitsschädlich sein könnte, war unter den Europaabgeordneten seit längerem bekannt. Schon seit Anfang des Jahres diskutiert man deshalb über ein europaweites Verbot. Grundlage ist ein Vorschlag der Europäischen Kommission. Dieser Vorschlag sieht allerdings bisher nur vor, Perfluorsulfonsäure (PFOS) zu verbieten. Abgeordnete des Parlaments haben vorgeschlagen, das Verbot auch auf Perfluoroctansäure (PFOA) auszuweiten. Dies genau ist die Gruppe der PFT, die in der Möhne gefunden wurde. Deshalb spricht sich Peter Liese energisch für diese Ausweitung des Verbotes aus und hat in seiner christdemokratischen Fraktion auch bereits Zustimmung dafür erhalten.
Generell bestätigt der neuste Fall nach Ansicht von Peter Liese diejenigen, die für das Vorsorgeprinzip im Umweltschutz eintreten. »Der Vorschlag der Europäischen Kommission Chemikalien in Zukunft systematisch zu untersuchen (REACH), wurde von vielen in Deutschland grundsätzlich kritisiert. Ich habe mich dieser grundsätzlichen Kritik nie angeschlossen, sondern immer nur darauf hingewiesen, dass der Vorschlag möglichst unbürokratisch und zielgerichtet die wirklichen Gefahren angehen muss, statt Datenfriedhöfe zu produzieren. Diesen Ansatz haben wir im Europäischen Parlament und im Ministerrat durchgesetzt und wenn wir ihn in den nächsten Jahren konsequent verfolgen, werden uns Skandale wie der um PFT in der Möhne in Zukunft erspart bleiben«, so Liese abschließend.
Schlagworte: Arbeit, Europa, Hochsauerland, Hüsten, Kinder, Meschede, Neheim, PFT, Reise, Umweltschutz













