Latrop. Wenn die Bewertungskommission kommt wird alles tip-top sein – darin hat Latrop Übung. Das mehrfach prämierte Dorf im Hochsauerland ist das einzige Nordrhein-Westfalens, das sich um den diesjährigen Europäischen Dorferneuerungspreis bewirbt.
Drei Generalproben hat man schon hinter sich. Der Zeitplan für den Rundgang mit der Bewertungskommission ist minutiös ausgearbeitet. Wenn es Ende Mai so weit ist, wird kein Fenster im Dorf ohne Blumenschmuck sein: Rote Geranien – die passen am besten zu den schwarz-weißen Fachwerkfassaden und haben sich bewährt.
Vier Mal hat die eingeschworene Dorfgemeinschaft von 189 Seelen es schon auf das Siegertreppchen geschafft: 2001 sicherte sich Latrop den Siegerpokal beim Wettbewerb »Unser Dorf soll schöner werden« auf Stadtebene, ein Jahr später auf Kreisebene, dann auf Landesebene und 2004 wurde die frühere Waldarbeiter- und Köhlersiedlung schließlich mit dem Titel »Bundesgolddorf« gekrönt.
Rund 20 Arbeitsplätze sind in Latrop noch direkt mit der Holzverarbeitung verbunden. Viel mehr Menschen nutzen den Wald indirekt: In 200 Fremdenzimmern haben im vergangenen Jahr 28500 Touristen übernachtet. Den Wert einer Übernachtung schätzt Schmallenbergs Bürgermeister Bernhard Halbe auf 75 Euro und kommt so auf eine stolze Bilanz von rund 2,13 Millionen Euro pro Jahr allein durch Touristen, die in dem kleinen Dorf absteigen. Insgesamt gehören 89 Dörfer zu Schmallenberg – 12 davon sind »Golddörfer«.
Die Beliebtheit der Gegend für Erholungssuchende kommt nicht von ungefähr: Seit 1997 hat die Stadt Schmallenberg ein Tourismuskonzept, das ganz auf Wandern und Gesundheit angelegt ist. Die Grundidee für dieses Konzept nimmt Martin Hanses, Vorsitzender des Verkehrsvereins Latrop, gerne für sich und sein Dorf in Anspruch.
Die Latroper haben nicht nur Ideen, sie zögern auch nicht, sie umzusetzen. »Wandel als Chance« ist das Motto des Europäischen Dorferneuerungswettbewerbs und es scheint wie für die Latroper erdacht.
Seit 1960 haben sie immer mehr Kuhställe in Fremdenzimmer verwandelt. Seit 1997 haben die Einwohner die Dorferneuerung mit immer neuen Projekten forciert, die Wiesen am Dorfrand ausgedehnt, damit der Hochwald nicht zu viel Sonne abhält und die Weihnachtsbaumkulturen dorthin verlegt, wo sie niemand sieht.
Jeder packt mit an. Den Dorfgarten, zum Beispiel, haben sie selbst angelegt. Der Entwurf stammt von einer Landschaftsarchitektin, die Ausführung und Ausgaben von rund 20000 Euro haben die Dorfbewohner übernommen. Auch die Bewerbung um den Europäischen Dorferneuerungspreis ist so ein Gemeinschaftsprojekt des Dorfes und seiner Vereine. Davon gibt es in Latrop sieben. »Jeder männliche Einwohner ist Mitglied in sechs Vereinen«, sagt Ulrich Lutter, Vorsitzender des Fördervereins Latrop. Der siebte Verein ist die Frauengemeinschaft, deren Mitglieder ebenfalls allen anderen Vereinen angehören außer dem Schützenverein – der ist den Männern vorbehalten.
Für ihre Bewerbung um den Dorferneuerungspreis haben die Latroper eine Werbeagentur engagiert. »Schließlich müssen wir auch demonstrieren, dass wir nicht beratungsresistent sind«, sagt Lutter.
Europäischer Dorferneuerungspreis
Der Europäische Dorferneuerungspreis wird seit 1990 alle zwei Jahre von der Europäischen Arbeitsgemeinschaft für Landentwicklung und Dorferneuerung verliehen.
Die Arbeitsgemeinschaft (ARGE) wurde 1988 in Wien gegründet und ist eine Unterorganisation der Europäischen Union.
Das Ziel der ARGE ist es die Zukunftsfähigkeit ländlicher Täume nachhaltig zu stärken.
Bewertet werden neben der äußeren Erscheinung der Ortschaft vor allem die Aktivitäten im Sinne einer Standort angepassten wirtschaftlichen Entwicklung, die Schaffung zeitgemäßer sozialer Einrichtungen, die Auseinandersetzung mit Fragen der Architektur, der Siedlungsentwicklung, der Ökologie, der Energieversorung und der kulturellen Initiativen und Weiterbildungsmaßnahmen.
Um den Dorferneuerungspreis bewerben sich in diesem Jahr 30 Ortschaften aus 11 Nationen.
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Lokalteil Meschede / Mantel
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