Die Kirche ist im Dorf geblieben

RemblinghausenRemblinghausen. Ein Dorfcafé und eine Imbissbude fehlen und die Kinder wünschen sich bunte Kirchenfenster. Den Studenten der Fachhochschule Paderborn ist es nicht leicht gefallen, etwas Negatives in Remblinghausen zu entdecken. Am Freitagabend präsentierten sie die Ergebnisse ihrer Dorfanalyse.

Ein paar Stühle waren noch frei im kleinen Saal der Schützenhalle, denn auch der FC Remblinghausen spielte am Freitagabend. Das war auch schon ein typisches Problem der Dorfbewohner: zu viele Termine – auch ein Ergebnis der Dorfanalyse. Die meisten Remblinghauser gehören zwei oder mehr Vereinen an und jeder Verein hat sein eigenes Programm – der reinste Freizeitstress. »Weniger Feste, aber dafür größere« war eine Empfehlung der 16 Studierenden, die Remblinghausen eine Woche lang unter die Lupe genommen haben.

St. Jakobus in Remblinghausen

Von großer Bedeutung für das Leben in Remblinghausen: Die Kirche.
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Von den Grundschülern aufwärts wurden alle Alters- und Interessengruppen befragt. Zwar sind die Umfragen nicht repräsentativ, doch stießen ihre Ergebnisse nicht auf Widerspruch. Manche Erkenntnisse sind schon länger bekannt und Lösungen werden schon ebenso lang gesucht. Die verbesserungsfähige Terminkoordination der Vereine gehört dazu und das fehlende Bauland.

Dass Bauplätze in Remblinghausen kaum zu haben sind, könnte vor allem für die 72 Prozent der befragten Jugendlichen ein Problem werden, die gerne in ihrem Dorf bleiben möchten. Auch um die Schule im Ort zu erhalten, wäre der Zuzug von Familien dringend nötig. Die Schließung einer Schule, so Albert Herrenknecht, verschlechtert die Lebensqualität eines Dorfes weit mehr als der Verlust von Einkaufsmöglichkeiten. Herrenknecht ist in ganz Deutschland in Sachen Dorfanalyse unterwegs, aber so paradiesische Bedingungen wie in Remblinghausen sind ihm schon lange nicht mehr begegnet.

Alle Altersgruppen fühlen sich dort wohl. Man schätzt nicht nur das Vereinsleben und Kulturangebot, sondern auch die gute Nachbarschaft. Aber »die Harmonie schwindet in der Regel mit Zuwanderern«, weiß Joachim Faulde, Leiter des Fachbereichs Soziale Arbeit an der Katholischen Fachhochschule in Paderborn. Remblinghausen habe eine Tendenz lieber alle zu integrieren, als neue Impulse durch Neubürger anzunehmen.

Heinz-Peter Schmitt

Auf dem Weg zum Gold-Dorf: Bezirksaussschussvorsitzender Heinz-Peter Schmitt bekam von den Studierenden schon mal eine Vorschuss-Medaille für den guten Start zum Wettbewerb »Unser Dorf soll schöner werden«.
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Aber das kann sich genauso ändern wie die Ansichten über die Bedeutung der Kirche im Dorf. Hostien mit Erdbeergeschmack, die sich einige Grundschüler wünschten sind gar nicht nötig, um den Jugendlichen die Kirche schmackhaft zu machen. Für 95 Prozent der Befragten hat die Kirche großen Einfluss auf das Gemeindeleben und die Mehrheit der Unterfünfzigjährigen ist der Meinung, das diese Bedeutung in Zukunft mindestens gleich bleibe, wenn nicht gar zunehme. Nur die Älteren sahen das genau umgekehrt. »Die Kirche ist jung« – diese Ansicht des Papstes wird in Remblinghausen voll bestätigt.

Remblinghausen hat gute Aussichten ein Gold-Dorf zu werden, so das Fazit der Analyse. Außer den Bauplätzen und mehr Zusammenarbeit der Vereine fehlt eigentlich nur ein bisschen mehr Werbung um Touristen, die die Gegend vor allem als Wanderparadies schätzen. Auch der Ortskern ist noch zu leer – zu viele Grünflächen. Da ist ein Dorfcafé wirklich dringend nötig – auch zur Pflege der guten Nachbarschaft.

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Westfälische Rundschau
Lokalteil Meschede

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Ein Kommentar

  1. Herbert’s avatar

    Vielen Dank für den sehr schönen Artikel.
    Etwas mehr Leben im Ort, durch ein Cafe oder ähnliches, wäre bestimmt von Vortei.

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