Eslohe. Christoph Bernholz hatte auf dem Heuboden seiner Scheune vorsorglich ein bisschen Weizen für die Mäuse verstreut. Schließlich sollten sich die vier Schleiereulen, die dort am Freitagabend einzogen, schnell wohl fühlen und einen gedeckten Tisch vorfinden.
Der große Augenblick verzögert sich noch ein bisschen, denn Wilfried Limpinsel von der Ausgewöhnungsstation für Greifvögel und Eulen in Marsberg-Essentho ist erst einmal an Bernholz’ Scheune vorbeigefahren. Während er telefonisch noch einmal eine Wegbeschreibung bekommt, versammeln sich weitere Mitglieder des Hegerings Eslohe und nutzen die Zeit, um den Heuboden zu besichtigen.
Der sieht aus wie gemalt: geräumig, schummrig und beladen mit großen Heubergen – ein verwunschener Abenteuerspielplatz für Kinder. Auch Eulen finden so etwas schön. Damit sie es den Raum auch nutzen können, hat Bernholz ein Loch in den Giebel gesägt. »Früher waren die Dächer alle offen«, weiß er. »Erst als man anfing alles dicht zu machen und die Giebel auszubauen, verschwanden auch die Vögel, die solche Räume nutzten.«
»Ideal« nennt Wilfried Limpinsel Bernholz’ Scheune. Inzwischen ist er angekommen mit den vier Schleiereulen im Gepäck. Hier können die Tiere auch im Winter Zuflucht und Mäuse finden. Schleiereulen haben es gern ein bisschen wärmer, deshalb hat Limpinsel noch einmal auf die Höhenlage von Eslohe gesehen – das passt noch.
Werner Becker, Obmann für Naturschutz des Hegerings Eslohe, macht sich mit einer Schleiereule bekannt. foto|be
Der vergangene Winter mit der lange geschlossenen Schneedecke war eine harte Zeit für viele Greifvögel: »Da hat die biologische Auslese voll zugeschlagen«, sagt Limpinsel. Die vier Eulen, die im Auto auf den Einzug warten, hat er völlig entkräftet aufgefunden. Ein paar Monate wurden sie aufgepäppelt, jetzt geht es ihnen wieder gut. »Interessant bei den Schleiereulen, dass sie die menschliche Nähe lieben«, sagt Limpinsel. »Die sind immer irgendwo im Dorf, nie heimlich im Wald.« Auch wenn sie auf Jagd gehen, entfernen sie sich nicht weit von ihrem Ruheplatz: Ihr Radius ist kaum größer als fünf Kilometer. Feld- und Wühlmäuse sind ihre bevorzugte Nahrung. Wenn davon ausreichend vorhanden ist, brüten die Eulen sogar zweimal im Jahr; ein Gelege besteht aus bis zu 12 Eiern.
(V.l.) Eule Nr. 3, die sich noch nicht verstecken möchte, Wildfried Limpinsel von der Ausgewöhnungsstation für Greifvögel und Eulen in Marsberg-Essentho mit Eule Nr. 4, die alles geduldig mitmacht, Christoph Bernholz, dessen Scheune erst einmal das neue Zuhause der Eulen sein wird, und Werner Becker, Obmann für Naturschutz des Hegerings Eslohe. foto|be
Schließlich ist er da, der große Augenblick. In einem Pappkarton trägt Limpinsel die Schleiereulen in die Scheune. Unter den neugierigen Blicken des Publikums blinzeln sie in die Kameras. Eule Nummer eins und zwei flattern sofort lautlos in das Halbdunkel unter dem Dach. Eule Nummer drei hat es nicht ganz so eilig. Sie setzt sich an den nächstbesten Stützbalken und bleibt erstmal sitzen. Aus dem herzförmigen Gesicht blinzeln zwei verschlafene Augen auf die Menschen herab. Eule Nummer vier soll sich dazu setzen, will aber nicht. Auch sie sucht sich schnell ein dämmriges Plätzchen.
Während man sich unten im Vorraum noch angeregt über Eulen, Mäuse und den Vorteil von Greifvögeln für Kranich-geschädigte Fischteichbetreiber unterhält, geht auf dem Heuboden offenbar schon eine Eule an die Arbeit: Ein spitzes Quieken verrät, dass die erste Maus Eingang in die Nahrungskette gefunden hat. Ein guter Anfang. Ob die vier Eulen aber auch wirklich in der Scheune bleiben ist ebenso ungewiss wie das Geschlecht der Tiere. Ob Männchen oder Weibchen ist ihnen nicht anzusehen. Christoph Bernholz wird noch ein paar Nistkästen für seine Eulen bauen und hoffen, dass sie bleiben.
Jeder kann helfen
Wilfried Limpinsel hat in der Vogelpflegestation »Essenthoer Mühle« in Marsberg seit 1980 mehrere tausend Vögel gepflegt und wieder freigelassen. Jeder gesund gepflegte Vogel wird vor seiner Entlassung in die Freiheit mit einem Ring der Vogelwarte Helgoland versehen.
Limpinsel beklagt, dass die »Vogelgrippe-Hysterie« unter anderen zur Folge habe, dass verletzte Vögel oft »nur gesehen«, nicht aber aufgenommen und in seine Station gebracht werden. Wer sich nicht traue, einen verletzten Greifvogel anzufassen, könne ihn aber auch jederzeit anrufen.
Gedruckt:

Lokalteil Meschede
Schlagworte: Arbeit, Berge, Bracht, Eslohe, Essentho, Kinder, Marsberg, Meschede, Wald
















