Expertenrunde mit Therapieerfahrung

Föckinghausen. Er hat einmal so stark gestottert, dass er lieber elf Kilometer zu Fuß ging, als eine Fahrkarte am Schalter zu kaufen. Heute hilft er in der Stotterer-Selbsthilfe anderen über ihr Problem hinweg.

Expertenrunde

Erfahrungsaustausch: Die Stotterer-Selbsthilfegruppen aus Münster und Meschede in Föckinghausen. fot|be

Etwa drei Mal pro Jahr kommt Berthold Wauligmann mit der Stotterer-Selbsthilfegruppe aus Münster in die Ferienstätte Föckinghausen. Dort trafen sich die neun Leute auch am vergangenen Wochenende mit Leidensgenossen aus Meschede.
»Leidensgenossen« – eigentlich ein ganz falsches Wort. »Stottern ist eine Sprechbehinderung«, sagt Wauligmann, »die muss man nicht negativ bewerten.« Schließlich kann man etwas dagegen tun. Eine Therapie, zum Beispiel bei einem Logopäden, kann helfen. Da aber die Ursachen des Stotterns nicht vollständig geklärt und bei jedem Menschen unterschiedlich sind, gibt es auch viele verschiedene Therapien. Da wird es mitunter schwierig, die richtige für sich zu finden.

»Wir sind ein Expertenteam mit eigener Therapie-Erfahrung«, sagt Wauligmann. Bei der Suche nach der richtigen Methode könne diese Erfahrung nur helfen. Bei vielen therapierbaren Störungen oder Erkrankungen sei eine Selbsthilfegruppe eine Ergänzung für die Zeit nach der Therapie. Beim Stottern sei das anders: »50 Prozent Therapie und 50 Prozent Selbsthilfe ergeben 100 Prozent Erfolg.«

»Manche Menschen erwarten eine Heilung schon nach der ersten Sitzung«, berichtet Susanne Struck, »aber so geht das nicht.« Sie leitet die Selbsthilfegruppe in Meschede. Mit Vorlesen, Sprachspielen und Seminaren gehen die Mitglieder ihr Problem einmal im Monat gemeinsam an. »Es ist sehr wichtig, das eigene Stottern erst einmal zu akzeptieren und dann die Ursachen zu suchen und zu bearbeiten«, sagt Struck. So wie eine Glatze nicht durch ein Toupé verschwindet, erledigt sich das Stottern auch nicht dadurch, dass man den Mund hält. Ständiges Sprechen ist die beste Übung – darin sind sie sich einig.

Einen Stotterer kenne fast jeder – in der eigenen Familie oder im Bekanntenkreis. Viele Betroffene trauen sich aber nicht, ihr Problem selbst in die Hand zu nehmen und aktiv zu werden. Das gelte auch für die Eltern stotternder Kinder. Weil auch Krankenkassen und Ärzte die Selbsthilfegruppen oft nicht kennen, haben besonders Schulkinder ein Problem mit ihrer »Redeflussstörung«.

Weitere Informationen:
Stotterer-Selbsthilfe Meschede: Susanne Struck, Vereinsstraße 5, Bestwig, Tel.: 02904-2376.
Bundesvereinigung Stotterer-Selbsthilfe e.V.

So gehört es zu ihrem Alltag, dass andere ihnen ständig helfen wollen, die Worte heraus zu bringen. »Zuhören ist besser als Helfen«, sagt Robert Möller-Holtkamp. Der Logistik-Planer aus Münster kann inzwischen auch über die Stotterer-Witze lachen. Ein bisschen stottert auch er noch, aber – äh – wer tut das nicht?

Gedruckt:
Westfälische Rundschau
Lokalteil Meschede

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