Meschede. »Der Rolls Royce unter den Jazzsängerinnen« wurde sie von ihrer Lehrerin Romy Camerun genannt. Die über mehr als drei Oktaven reichende Stimme von Birgit von Lüpke lockte am Samstagabend sogar Gäste aus Wetter nach Meschede.
»Mit sechs Jahren habe ich zum ersten Mal bei der musikalischen Früherziehung vorgesungen und fand das ganz toll.« Sie hatte Blockflöten- und Klavierunterricht, sang im Schulchor und in einem Mescheder Studentenchor. Mit ihrer Musikbegeisterung war Birgit von Lüpke (38), geborene Rothaut, aber immer der musikalische Ausreißer der Familie: Weder ihre Eltern noch ihre beiden Geschwister machen Musik.
Birgit von Lüpke im Foyer der Stadthalle Meschede. foto|be
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Zum Jazz-Gesang ist sie durch amerikanische »Schwarz-Weiß-Schinken« mit Fred Astair und anderen singenden Leinwandgrößen der fünfziger Jahre gekommen. Birgit begeisterte sich für Billie Holiday, Betty Carter und Ella Fitzgerald. »Meine Eltern haben das gar nicht gehört, bestenfalls Klassik«, erinnert sie sich.
Bis sie selbst dazu kam, mit Takt, Zeit und Melodie zu spielen, dauerte es aber noch eine Weile. In Meschede war sie mit einer Deutsch-Rock-Band unterwegs. »Ich wollte schon länger Jazz singen, aber im Sauerland ist das nicht so leicht«, sagt sie. Erst zwei Monate bevor sie zum Studium aus Meschede wegzog, fand sie ein paar Jazz-Begeisterte. Weil sie da schon in Göttingen eingeschrieben war, blieb es bei nur einem Auftritt in der Tröte.
In Göttingen begann sie zunächst ein Lehramtsstudium. Freunde gaben ihr Anlass darüber nachzudenken, ob Deutsch und Biologie wirklich ihr Ding sei. Nach intensivem Nachdenken brach sie schließlich ihr Studium in Göttingen ab, absolvierte 1990 die Aufnahmeprüfung and er Hochschule für Musik und Theater in Hannover und studierte Jazz-Gesang.
Dem Swing-Jazz ihrer Vorbilder ist sie treu geblieben, komponiert und textet aber mittlerweile selbst. Drei CDs hat Birgit von Lüpke bis jetzt veröffentlicht. »Jazz ist beim breiten Publikum nicht unbedingt ein Kassenschlager«, weiß sie. Deshalb hat sie auch kein Problem damit, ihr Programm noch kurz vor dem Auftritt dem Geschmack des Publikums anzupassen. Ob die Gäste auch für musikalische Experimente zu haben sind oder den Mainstream bevorzugen – »das sieht man den Leuten an.« Treue Fans hat sie trotzdem; manchmal fangen die Leute bei ihren Konzerten auch an zu tanzen.
»Die Entscheidung für die Musik habe ich nie bereut«, sagt sie. Das Leben als Musikerin sei vor allem vielseitig. Neben dem Komponieren genießt sie auch die kaufmännische Seite ihres Berufs, kümmert sich um das Marketing und unterrichtet.
Den Jazz-Pianisten Karsten von Lüpke heiratete sie 1996. Ihre Kinder, Lilly (7) und Till (4) haben ihre Leidenschaft für den Gesang geerbt.
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