Wirtschaftliche Not ist die größte Sorge der Mütter

Meschede. Wirtschaftliche Not ist der häufigste Grund, der Schwangere zur Beratungsstelle des Sozialdienstes Katholischer Frauen (SKF) führt. Gestern stellte der SKF den Jahresbericht 2005 für das Hochsauerland vor.

Im vergangenen Jahr haben 639 Frauen die Beratung in Meschede und Arnsberg in Anspruch genommen. Die Zahl ist seit Jahren etwa gleich bleibend. Dass der SKF nicht mehr die für einen Schwangerschaftsabbruch gesetzlich vorgeschriebene Konfliktberatung durchführen darf, hatte keinen Einfluss auf die Zahl der Beratungen.

Waren es in früheren Jahren vor allem die Probleme einer unsicheren Partnerschaft, so überwiegt mittlerweile die wirtschaftliche Not der Mütter: 88,2 Prozent gaben dies als dringendstes Problem an. Partnerschaftsprobleme sind jedoch weiterhin eng damit verbunden. Viele Partnerschaften enden im ersten Lebensjahr des Kindes – die tägliche Sorge um den Lebensunterhalt trägt in allen Altergruppen wesentlich dazu bei. Mit 63.5 Prozent sind psychisch-physische Belastungen der Frau daher auch der zweithäufigste Grund für eine Beratung.

»Die Frauen kommen zunehmend auch nach der Geburt«, berichtet Angela Kloppenburg, die in Meschede berät. Die Erfahrungen nach einem Jahr mit Hartz-IV zeigen, dass es für die meisten sehr schwierig ist, an die ihnen zustehenden Leistungen zu kommen. Im Prinzip sei es wie früher mit der Sozialhilfe. Aber weil auch die Sachbearbeiter in den zuständigen Ämtern noch nicht vollständig mit dem neuen Gesetz vertraut sind, müssen die Berechtigten Einzelansprüche selber finden und beantragen, so Kloppenburg. Deshalb mache die praktische Hilfe mit derartigen Anträgen auch einen großen Teil der Beratung aus.

Beratungsstellen des SKF
im Hochsauerlandkreis

  • Meschede, Ruhrstraße 3 [GP:SKFMeschede],
    Telefon: 0291-7131
  • Arrnsberg, Apothekerstraße 12 [GP:SKFArnsberg],
    Telefon: 02932-639 88 13

Ein großes Problem ist weiterhin die Vermittlung in Arbeit. Weil viele Stellen nur noch durch Zeitarbeitsverträge besetzt werden, nehme auch hier die Verunsicherung zu. Nach einer Schwangerschaft haben die Frauen kaum die Chance auf eine Rückkehr in den Beruf. Viele Mütter fürchten auch als »Rabenmütter« betrachtet zu werden, wenn sie ihr Kind nicht selbst betreuen. »Ein rein deutsches Problem« , so Kloppenburg. »In anderen Sprachen gibt es den Begriff gar nicht.«

Positives weiß der SKF aber auch zu berichten: Dank der Präventionsarbeit in Schulen, habe sich die Zahl der minderjährigen Mütter in den vergangenen zwei Jahren halbiert.

Gedruckt:
Westfälische Rundschau
Lokalteil Meschede

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