Meschede. Rund dreißig Jahre lang haben Helmut und Heidi Hutans mit angesehen, wie das Bildungsniveau ihrer Lehrlinge immer weiter sank. Jetzt sind sie im Ruhestand und gehen das Übel an der Wurzel an – ehrenamtlich.
Mittwochnachmittag, 14 Uhr: An der Martin-Luther-Grundschule findet sich ein Dutzend Kinder ein, um gemeinsam Hausaufgaben zu machen und für Klassenarbeiten zu üben. Helmut und Heidi Hutans sind ihre ›Lernpaten‹. Sie verteilen ihre Schützlinge auf verschiedene Klassenräume, um in Ruhe mit ihnen lernen zu können. Jedes Kind bekommt die Hilfe, die es braucht. Was jedes Kind braucht, wissen die Lehrer. Die sagen den Lernpaten, welches Kind eine besondere Förderung braucht.
»Wir hatten schon Eltern, die uns für die Nachhilfe bezahlen wollten«, sagt heidi Hutans, »aber das wollen wir nicht.« Bezahlbare Nachhilfeangebote gebe es genug, meint sie. Die Lernpaten wollen jene Kinder fördern, die wirkliche Schwächen oder besondere Schwierigkeiten haben.
Schließlich gibt es an der Martin-Luther-Grundschule auch eine offene Ganztagsschule, wo die Kinder nachmittags unter Aufsicht Hausaufgaben machen oder in allerlei Arbeitsgruppen weiter lernen können. Dieses Angebot kostet 45 Euro pro Monat und Kind. Für 2,30 Euro pro Tag und Kind gibt es auch noch ein Mittagessen.
Die Lernpaten gehören nicht zu diesem Angebot, sondern sind eine Ergänzung. Eine Ergänzung, über die Schulleiter Hans Walter Schneider sehr froh ist, denn für eine Intensiv-Betreuung hat auch die offene Ganztagsschule nicht genügend Personal. Die Zusammenarbeit mit den Lernpaten nennt er »ausgezeichnet«. Unterstützung für die Initiative gibt es auch vom Schulamt des Hochsauerlandkreises.
Angefangen hat alles Anfang vergangnen Jahres. Heidi Hutans hörte durch eine Lehrerin von dem Förderungsbedarf und der Personalnot. Inzwischen gibt es vier Lernpaten an der Martin-Luther-Grundschule. Sie alle sind im Ruhestand und wollen sich nicht zu Hause langweilen. Die ältesten Lernpaten sind mit 92 und 96 Jahren Hilde und Bruno Jobski. Sie geben zu Hause zwei Kindern und deren Mutter Sprachunterricht.
Erfahrung in Sachen Nachhilfe haben Helmut und heidi Hutans im eigenen Ingenieur-Büro gesammelt. Ihre Bauzeichner-Lehrlinge brauchten im Laufe der Jahre immer mehr Hilfe, wenn es darum ging, etwas zu Papier zu bringen. Sie gaben ihnen Nachhilfe in Deutsch und Rechnen und konnten fast alle fit machen für ein anschließendes Studium.
Vom Studium sind die Kinder in der Martin-Luther-Grundschule noch weit entfernt. Aber schon in ihrem Alter entscheidet sich, ob Lesen, Schreiben und Rechnen in Zukunft ein Problem für sie sein wird.
Die Lernpaten suchen Verstärkung. Am Montag, 16. Januar gibt es um 15.30 Uhr in der Martin-Luther-Grundschule einen Informationsnachmittag zu diesem Thema. Interessenten sind herzlich eingeladen.
Gedruckt:

Lokalteil Meschede
Nachtrag, 24. Januar 2006
Es haben sich offenbar noch einige Interessenten gefunden: Nun sind es zehn Lernpaten, die jede Woche mit den Kindern üben.
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