Föckinghausen [GP:Foeckinghausen]. Der 6 000. Gast der Ferienstätte Föckinghausen kam am vergangenen Wochenende und war eigentlich eine ganze Gruppe. Und die kommt seit 25 Jahren aus Gelsenkirchen ins Sauerland.
Sie kommen aus vielen unterschiedlichen Berufen und die meisten von ihnen waren suchtkrank – Alkohol oder Tabletten. Im Kreuzbund, der Selbsthilfe- und Helfergemeinschaft für Suchtkranke und deren Angehörige haben sie Hilfe gefunden. Sie treffen sich einmal wöchentlich. Zweimal im Jahr – Pfingsten und kurz vor Weihnachten – kommen sie nach Föckinghausen.
»Das ist im Laufe der Jahre wirklich eine große Familie geworden; wir kommen gerne zusammen und sehr gerne nach Föckinghausen,« Die Ferienstätte des Caritasverbands Gelsenkirchen ist für die Gruppe beinahe eine zweite Heimat und auf jeden Fall Urlaub.
Wie in vielen anderen Städten, wurde auch die Suchtberatungsstelle der Caritas in Gelsenkirchen geschlossen. Die Klienten sind nun mehr denn je auf Vereine wie den Kreuzbund angewiesen. Für einen monatlichen Beitrag von vier Euro stehen die Gruppen jedem Menschen offen, der Hilfe braucht.
Das jüngste Mitglied der Gruppe ist »im vierten Monat trocken«. In der Gruppe trifft sie nicht auf Ärzte oder Therapeuten, sondern auf Menschen, die das alles auch schon mitgemacht haben und wissen, was eine Sucht bedeutet.
Auch die Gruppenleiterin, Rita Kräft, ist kein Profihelfer. Sie war tablettensüchtig; seit dreißig Jahren ist sie nun »clean«, aber sie hilft weiter. Ihr Mann ist auch dabei. Er war zwar nie abhängig, aber auch die Angehörigen von Suchtkranken brauchen Hilfe.
Ältestes Mitglied der Gruppe ist Lore Welker. Die 78-Jährige ist vor 23 Jahren wegen ihres alkoholkranken Sohnes zum Kreuzbund gekommen und hat Hilfe gefunden. Ihr Sohn hat eine Therapie gemacht und wurde »trocken«. Vor fünf Jahren starb er an Krebs. Wieder fand Lore Welker Halt und Hilfe beim Kreuzbund.
In Gelsenkirchen gibt die Gruppe eine eigene Zeitung heraus, ein pensionierter Redakteur vom Handelsblatt bringt das nötige Wissen mit.
Sie sagen ihre Namen, zeigen ihre Gesichter und stehen zu ihrer Krankheit. Ohne diese Offenheit geht es nicht, sagen sie. Manchem hat sie auch schon geholfen, nach der Krankheit wieder Arbeit zu finden, denn auch Arbeitgeber schätzen Ehrlichkeit.
Gut ausgelastet
Zuschüsse von Land, Bund und dem Bistum Essen gibt es nicht mehr für ein paar Tage Ferien in Föckinghausen, aber die Ferienstätte ist dennoch gut ausgelastet.
An den Wochenenden sind es meistens Tagungen von bis zu 170 Teilnehmern, in der Woche kommen Schulkinder und Firmlinge. Am kommenden Wochenende läuft die »Aktion Tannenbaum«: Zwei Übernachtungen und ein selbst ausgesuchter und frisch geschlagener Weihnachtsbaum – das Haus ist ausgebucht. Auch über Silvester ist alles belegt.
Die Gäste kommen aus ganz Deutschland. Für das Frühjahr haben sich schon 100 Motorradfahrer angemeldet, die im Sauerland ihre Kurventechnik verbessern wollen.
Nur Familien kommen nicht mehr. Der Caritasverband Essen hat kein Geld mehr, um bedürftigen Familien ein paar Ferientage zu finanzieren.
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Lokalteil Meschede
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