»Ein Vogel, der aus dem Nest gefallen ist«

Tilmann WaldthalerMeschede. »Ich bin ihm unglaublich dankbar, dass er mir das ermöglicht. Wildfremde Menschen – toll.« Tilmann Waldthaler war am Samstag auf Spurensuche in Meschede. Sein Vater, den er nicht kannte, hat in der Klause die letzten sechs Jahre seines Lebens als Eremit gelebt.

Das Grab ist längst eingeebnet. Frater Meinrad Waldthaler starb 1960 in Meschede bei einem Autounfall. Konrad Waldthaler, wie der Klausner mit bürgerlichem Namen hieß, kam aus Südtirol und wollte Priester werden. Dass er verheiratet war und vier Kinder hatte, wusste niemand. Die Ehe war gegen Ende des Krieges zerbrochen. Das vierte Kind, Tilmann, hat den Vater nie kennen gelernt. Die Mutter erzählte nie von ihm und starb als Tilmann 13 Jahre alt war.

Tilmann Waldthaler bei der Besichtigung der Klause

Tilmann Waldthaler bei der Besichtigung der Klause. foto|be

»Ich bin ein Vogel, der aus dem Nest gefallen ist.« So beschreibt sich der heute 63-jährige Tillmann Waldthaler selbst. Ein neues Nest hat er sich nicht gesucht. Er absolviert eine Konditor-Lehre und lässt sich in der Schweiz zum Koch ausbilden. Mit 21 geht er als Koch nach Südafrika.

Bald darauf breitet er endgültig die Flügel aus und beginnt zu reisen. Seit 1977 ist er per Fahrrad auf den Weg um die Welt. Die hat er bis heute mehr als zehn Mal umrundet: 420 000 Kilometer war er auf allen Kontinenten unterwegs.

»Die erste Reise war die schönste«, sagt er rückblickend, »da gab es keine Verpflichtungen.« Wenn er unterwegs Geld brauchte, jobbte er. Sachertorte ist in Afrika und Australien ein Renner.
Vier Jahre dauerte diese erste Reise. Sie führte in von der Antarktis über Neuseeland, Indien, Pakistan Italien und Norwegen zum Nordkap. Unterwegs begegnete er Bob Marley, Bob Dylon, Indirah Gandhi und Max von Sydow und lernte die Meditation bei den indischen Sadhus.

Den ersten Sponsor für seine Touren fand er zehn Jahre und drei Reisen später. Inzwischen ist Tillmann Waldthaler Testfahrer des holländischen Fahrrad-Herstellers Koga-Miyata und testet die Ausrüstungen von zehn weiteren Sponsoren.

Diese Marke hat auch Hermann Hegener aus Meschede im Sortiment seines Fahrrad-Handels. Er las ein Portrait über den »Globetreter« Waldthaler in einem Fachmagazin und sprach ihn auf der Fahrrad-Messe Eurobike an.

Auf dem Weg nach Australien, wo er sich jetzt mit seiner Frau Renate niederlässt, besuchte Waldthaler die Klause, in der sein Vater zuletzt gelebt hat. »Wahrscheinlich wollte er hier Buße tun«, vermutet er. Der Vater sei ein sehr religiöser Mensch gewesen. Dem Sohn ist das nicht fremd: »Jede Reise ist vor allem eine Reise zu sich selbst«, sagt er, »und die dauert ein Leben lang.«

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Noch Fragen? Interview mit Tilmann Waldthaler

Mit dem Mountainbike durch Australien

Ab Mai 2006 wird Tilmann Waldthaler Mountainbike-Touren in Australien anbieten. Die zwei Wochen dauerenden Touren werden von ihm selbst organisiert und geführt.

Die Teilnehmer können entweder eigene Räder mitbringen oder komplett ausgestattete Tourenräder direkt vor Ort anmieten.

Die Touren führen duch fantastischen Regenwald, vorbei an Seen und Wasserfällen. Sie werden nicht nur australischen Outback und die Wüste, sondern auch sich selbst entdecken. Falls Sie schon immer davon geträumt haben, einmal so richtig abenteuerlich mit dem Maountainbike, Zelt und Schlafsach unterwegs zu sein, dann konnen Sie jetzt Ihren Traum verwirklichen.

Homepage von Tilmann Waldthaler

Gedruckt:
Westfälische Rundschau
Lokalteil Meschede

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