Meschede. Behinderte im Rentenalter gab es in Deutschland bisher kaum. Die Jahrgänge vor 1945 waren den Nationalsozialisten zum Opfer gefallen. Doch auch die Behinderten Menschen, die jetzt bei ihren Familien leben, werden älter. Wer kümmert sich um sie, wenn ihre Eltern nicht mehr da sind?
Die Caritas im Erzbistum Paderborn startete heute ein Modellprojekt, in dem der Bedarf für behindertengerechte Betreuung im Alter in den kommenden Jahren ermittelt werden soll.
Derzeit seien etwa 15 bis 20 Prozent der Bewohner von Behindertenheimen über 65 Jahre alt, sagt Projektleiterin Anett Herold. In zehn Jahren werde etwa jeder zweite Bewohner über 60 Jahre alt sein. Welche Unterstützung sie im Alter wirklich brauchen, wisse man bislang kaum.
Das Projekt unter dem Titel »Gemeindeintegriertes Wohnen für Menschen mit Behinderung im Alter« soll die Wissenslücken in den nächsten drei Jahren füllen. Die Kosten von 330 000 Euro tragen die Caritas, die Aktion Mensch und die Stiftung Wohlfahrtspflege.
Es geht jedoch nicht allein um die Kostenplanung für entsprechende Pflegeheime. »Nur etwas mehr als zehn Prozent der Menschen jüber 60 sind überhaupt pflegebedürftig«, sagt Waldemar Schmidt vom Institut für Gerontologie in Dortmund, das das Projekt wissenschaftlich begleitet.
Es sei falsch, das Alter auf Pflege zu reduzieren und nur von den Defiziten der Menschen auszugehen, statt ihre Fähigkeiten ins Auge zu fassen. Das gelte für Behinderte wie Nicht-Behinderte.
»Behinderte Menschen sind nicht gleich pflegebedürftig«, sagt Schmidt. Von besonderer Bedeutung sei daher eine sinnvolle Tagesstrukturierung und Alltagsgestaltung.
Dieser Ansatz macht das Besondere des Modellprojektes aus: Man will sich nicht mit einer Bevölkerungsanalyse und der Bestandsaufnahme vorhandener Einrichtungen begnügen.
Die betroffenen Menschen sollen selbst Auskunft geben über ihre Wünsche und Erwartungen für ihr Leben im Alter. Angehörige, gesetzliche Betreuer und Mitarbeiter von beschützenden Werkstätten und Wohnheimen sollen in die Befragung einbezogen werden.
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